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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 60kg Jagdmonster! Hilfe!!!


Gast200912280002
29.10.2008, 21:21
:traurig3: Hallo Ihr Lieben,
vielleicht hat ja jemand einen Tip für mich. Mein Riesenbaby geht ungefähr seit 2 Monaten immer unregelmäßig jagen. Begonnen hat es mal mit 2 Minuten, dann 5, dann 10, und als er bei 20 war (er verfolgt Rehe, aber auch nur Spuren), hab ich mir gesagt so nicht und bin nur noch mit Schleppleine gegangen (20m). Anfangs auch von einiogen Erfolgen gekrönt, konnte ich ihn immer halten, wenn er abgezurrt ist. Letzte Woche dann der erste Schock: Eine Bekannte ging mit uns mit ihrem Rhodesian, er rannte (in gemäßigtem Tempo) voraus- wohlgemerkt, er war nicht jagen...:schreck: die Dame bleibt in der Leine hängen, stürzt, bricht sich Ellenbogen und Handgelenk:schreck:
Ich :sorry: Kniefall, aber eigentlich...
Nun gut, diese Woche geht es weiter: Wir alleine mit Schleppi unterwegs, mein Hund sieht Reh, ich sehs kommen, gehe federnd mit, er rennt in die vollen, zieht sich das Halsband über den Kopf und weg ist er. na gut... also nur noch mit Geschirr...
... Vorgestern gleiches Spiel mit Geschirr, ich kann i hn halten, werdfe dabei aber umgeworfen und schlage mir das Knie auf.
Gestern der absolute Alptraum: erstes Reh kommt, Leine ist um Baum gewickelt, er kann also nicht weg. Reh ist weg, wir entfitzen ihn- kommt 2. Reh und er zieht an. Ich hab die Schleppi an der Lederleine und diese in der Hand. Hänge dran wie ein Schluck Wasser (NEIN, ich bin NICHT zierlich!!!), es reißt mir die Leine aus den Händen, diese bluten wie Sau, und weg ist er samt Schlepp- und Lederleine:schreck:...
Aufgrund der Zeitumstellung ja auch zeitiger dunkler werdend, wir ihn also suchen gegangen. Rufen, Pfeifen... Gottseidank hat er sich bemerkbar gemacht- im dichtesten Unterholz ca. 2km entfernt haben wir ihn dann ins Gehölz gewickelt gefunden- das war die schlimmste halbe Stunde seit langem!
:traurig3::traurig3::traurig3:
Was mach ich jetzt mit dem Riesenbaby? Schleppleine ist außen vor,eine Schwerverletzte und ein abgerissener Fingernagel reicht, und der Knöchel ist auch doppelt so dick wie vorher (auch noch ausgerechnet der "Stinkefinger":boese4:)
Leider gibt es hier nicht so viele Gegenden ohne Wild zum Spazieren (ich bin ja schon froh, dass im Unterholz keine Bache mit ihren Jungen war)- außer der Innenstadt.
Ständig an der kurzen Leine führen fällt auch aus, da fehlt die Auslastung, und Radfahren??? Das wäre fast noch schlimmer, wenn er da abzieht (außerdem haben wirs auch noch nicht geübt...)
Hat jemand einen Tip für mich, wie man ihm das sonst noch abgewöhnen kann?

:traurig3:etwas verzweifelt- Kati und das Rudel

Grazi
30.10.2008, 05:29
Sorry, wenn ich das so rundheraus und knallhart sage und ich meine das ganz sicher nicht böse, aber.... du hast von Anfang an so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. :(

Dein "Riesenbaby" ist jetzt voll im Jagdfieber und das wirst du nur noch mit sehr viel, sehr intensivem, sehr konsequentem, sehr zeitaufwendigen Training einigermaßen unter Kontrolle bringen. Und so, wie du dich bisher angestellt hast, bezweifele ich schon fast, dass es dir alleine (ohne fachmännische Anleitung) gelingen wird.

Mein Riesenbaby geht ungefähr seit 2 Monaten immer unregelmäßig jagen. Begonnen hat es mal mit 2 Minuten, dann 5, dann 10, und als er bei 20 war (er verfolgt Rehe, aber auch nur Spuren), hab ich mir gesagt so nicht Er hätte bereits nach dem ersten Abdampfen nicht mehr die Gelegenheit erhalten dürfen, wieder auf Spurensuche / Jagd zu gehen. Jagen ist selbstbelohnend... und Jagdverhalten steigert sich meist sehr schnell, wenn man nicht sofort gegensteuert!

bin nur noch mit Schleppleine gegangen (20m). Schleppleine bei einem 60 kg-Brocken? Und dann noch eine so extrem lange? :schreck:

Sorry, aber selbst ein gestandener und kräftiger Kerl, der selbst ein ordentliches Gewicht aufweist, wird 60 kg auf vier Pfoten, die im Extremfall über 40 m (!) beschleunigen, nicht halten können!

Ich selbst nutze max. 10 m und dies auch nur bei meinem Leichtgewicht Mortisha (20 kg). Bei der doppelt so schweren Vega hätte ich bei voller Ausnutzung der Leinenlänge null Chancen, sie zu halten!

Letzte Woche dann der erste Schock: Eine Bekannte ging mit uns mit ihrem Rhodesian, er rannte (in gemäßigtem Tempo) voraus- wohlgemerkt, er war nicht jagen... die Dame bleibt in der Leine hängen, stürzt, bricht sich Ellenbogen und Handgelenk Ach, du heilige Sch*** ! :schreck:

Aber daran siehst du ja schon, dass Schleppleinentraining nicht so einfach ist: man muss erst lernen, wie man sie - wenn man sie zu Beginn noch festhält - vernünftig einholt, aufwickelt .... man muss immer aufmerksam unterwegs sein und aufpassen, dass sie sich nirgends verheddert... dass man nicht drauftritt, um dem Hund keine falschen Signale zu geben... dass man sich selbst nicht verwickelt, um keine Verletzungen zu riskieren...

Wir alleine mit Schleppi unterwegs, mein Hund sieht Reh, ich sehs kommen, gehe federnd mit, er rennt in die vollen, zieht sich das Halsband über den Kopf Aaaaaaaargh! Schleppleine und Halsband? Das ist für den Hund brandgefährlich! Damit riskiert man schwerste Verletzungen der Halswirbelsäule bis zum Genickbruch!
Eine Schleppleine hängt man never ever an ein Halsband. Die gehört immer an ein gut sitzendes und nirgends einschneidendes Geschirr!

Ich hab die Schleppi an der Lederleine und diese in der Hand. Hänge dran wie ein Schluck Wasser (NEIN, ich bin NICHT zierlich!!!), es reißt mir die Leine aus den Händen, diese bluten wie Sau, und weg ist er samt Schlepp- und Lederleine... Moment... du hast die 20 m -Schleppe an der Lederleine befestigt? Also noch mal mind. 1-2 m drangehangen? Und du hattest keine Handschuhe an? :schreck:

Gottseidank hat er sich bemerkbar gemacht- im dichtesten Unterholz ca. 2km entfernt haben wir ihn dann ins Gehölz gewickelt gefunden- das war die schlimmste halbe Stunde seit langem! Das kann ich mir vorstellen. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können ... von Verletzungen durch Verheddern über Autounfall bis hin zum Abschuss durch Jäger. Aber das weisst du ja selber...und wirst dir nun selbst schon die schlimmsten Vorwürfe machen. :(

Was mach ich jetzt mit dem Riesenbaby? Schleppleine ist außen vor [...] Ständig an der kurzen Leine führen fällt auch aus, da fehlt die Auslastung, und Radfahren??? Also... Solange du nicht wieder 100 %-ig fit bist, sollte er eh nur noch an der kurzen Leine gehen. Schleppleine kannst du in Zukunft auch erst mal vergessen und wenn, dann beginnst du mit max. 3 - 5 m. Radfahren: BLOSS NICHT!

Spaziergänge musst du mit Beschäftigung ausfüllen... Übungen aus dem UO-Bereich, Schnüffelspiele, evtl. Apportieren mit Futterdummy, Rückruftraining etc.

Ich würde dir allerdings empfehlen, dir jemanden zu suchen, der dich beim Training anleitet / unterstützt / korrigiert.

Solltest du trotzdem alleine arbeiten möchte oder dich zusätzlich schlau machen, hier noch eine Buchempfehlung:
Schöning / Steffen / Röhrs, Hilfe, mein Hund jagt - Jagdverhalten in die richtigen Bahnen lenken, ISBN: 978-3-440-10829-1, EUR 19,95

Ich wünsche dir viel Erfolg, Nervenstärke, Geduld und Durchhaltevermögen!

Grüßlies, Grazi

Diva
30.10.2008, 06:57
also Grazi hat ja schon einiges an Tipps gegeben.
Meine Diva ist auch passionierte Jägerin. Als sie das erste mal weg waren (da hatten wir sie gerade erst mal ein paar Tage) war das so ein tiefer Schock, dass wir uns schnellstens Infos holten, wie man das in den Griff bekommen kann.
Ich habe mir das Buch:

Das unerwünschte Jagdverhalten des Hundes von Clarissa von Reinhardt aus dem Animal Learn Verlag
besorgt. (Du kannst es haben, ich habe es nur einmal gelesen und brauche es nicht mehr)

geholt.

1. Schleppleine von max 5 m (unbedingt an Geschirr befestigen, nicht an Halsband)
2. Spaziergänge so gestalten, dass Hundi nicht auf die Idee kommt zu Jagen. Sprich: Du "jagst" mit ihm. Er muß dich interessant finden und lieber mit dir was unternehmen wollen, als sich selbst eine Beschäftigung zu suchen.
Du läßt z.B. ein Leckerlie übern Boden kullern, das er dann jagen darf oder
Du versteckst Leckerli in der Wiese, die er dann mit Kommando Such suchen und finden darf.
Dein Hundi kann super mit Mantrailing dazu gebracht werden nicht mehr zu jagen (Ich spreche da aus eigener Erfahrung - ES HILFT WIRKLICH!)
3. Du übst ein Rückrufkommando mit Supersignal: Bei mir ist es HALT. Dann bleibt sie abrupt stehen und setzt sich. Dann habe ich Zeit sie anzuleinen.
4. Du siehst die "Gefahr" eher als dein Hund und lenkst ihn im Vorfeld schon ab. Du motivierst ihn zu dir zu kommen. Du schmeißt ein Leckerli in die andere Richtung, damit er vom Reh erst mal weg ist und immer wieder Leckerlie verstecken und suchen lassen, das lastet auch den Kopf aus.

Natürlich dauert das alles einige Zeit, bis das alles sitzt. Aber wir können mitlerweile mit Diva durch den Wald gehen ohne Leine. Natürlich muß ich immer schneller sein als sie. Und ich muß immer üben, bei jedem Spaziergang. Aber genau das macht auch Spaß. Ich verstecke kleine Dinge, die ich Diva suchen lassen. Inzwischen vergeht oft bis 1 Stunde, ehe ich sie das Objekt suchen lasse und sie findet es immer!
Dagegen sind Rehe gar nicht mehr so interessant, dass man ihnen nachlaufen muß. Natürlich ist sie immer noch voller Aufregung, wenn wir welche sehen, aber sie bleibt bei mir und ich kann sie nach einiger Zeit auch wieder beruhigen und mit ihr "normal" weitergehen.

Kopf hoch, das schaffst du auch.
Üben, üben, üben - das stärkt auch deine Beziehung zu deinem Hund und ihr werden ein super Team und geht gemeinsam auf "Jagd", das macht viel mehr Spaß als nur spazierenzugehen.

Liebe Grüße

Karin mit Diva

tpgbo
30.10.2008, 08:12
Tja, Gott sei Dank haben 2 von3 meiner Hunde keinen Jagdtrieb!!!
Aber bei Spike ist er auch sehr ausgeprägt und ich muß immer genau auf meine Umgebung achten.
Allerdings laufen bei uns auch keine Rehe.
Die Buchempfehlung von Grazi nehme ich mir trotzdem zu Herzen.
Tanja

Conner
30.10.2008, 08:15
Dasselbe Problem hatte ich mit 95 kg Mastiff Paul. Mein Fehler lag in der Welpenzeit. Mäuschensuchen war ein riesen Spaß, ich hab ihn buddeln und suchen lassen und es nicht kontrolliert und irgendwann abgebrochen.

Er ging dann von den Mäuschen weiter und wartete nicht bis was kommt sondern schaute in die Weite aufs Feld und schoß irgendwann los. Da war nichts zu halten bei dem Gewicht. Es wurde immer schlimmer, er schoß an der kurzen Leine los. Ging über Zäune, über Straßen.

Über Verletzungen meinerseits und Verzweiflung brauche ich wohl nicht schreiben. Der Kreislauf schloß sich, da ich ihn nicht frei laufen lassen konnte, war er stets nicht wirklich ausgelastet.

Im Adrenalinrausch spürte, hörte und sah er nichts. Paul hatte vorher den Wesenstest mit Leinenbefreiung!

Ich bin von einem Trainer zum nächsten und fand irgendwann jemand der mir helfen konnte.

Ein Abbruchsignal STOP wurde einkonditioniert und in Verbindung mit Beschäftigung wie Apportieren (gemeinsam Jagen) war auch Auslastung da.

Nach 2 Monaten konnte ich ihn ohne Leine laufen lassen und er bremste auf STOP ab.

Allerdings muß ich (wie jeder Hundehalter) immer die Augen aufhalten. In der Dämmerung wo Kaninchen kommen gehe ich nicht mehr raus. Auf Sicht würde wohl auch das STOP versagen.

So können wir leben und Paul kann wieder leben wie ein Hund.

Such Dir jemand der mit diesen Abbruchsignalen arbeitet. Diese Kilos kann man nicht mit Schleppleine bremsen ohne sich zu verletzen.

Viel Glück !
LG
Annette

Gast20091091001
30.10.2008, 09:56
4. Du siehst die "Gefahr" eher als dein Hund und lenkst ihn im Vorfeld schon ab. Du motivierst ihn zu dir zu kommen. Du schmeißt ein Leckerli in die andere Richtung, damit er vom Reh erst mal weg ist und immer wieder Leckerlie verstecken und suchen lassen, das lastet auch den Kopf aus.

Ich habe ja einen 6 jährigen Ridgeback Mix...einen Jäger vor dem Herrn - aber ein reiner "Sichtjäger".
Das wichtigste war das Abbruchsignal oder "Superwort" im Training dagegen. Wir haben mit Deprivation (also hungrig zum gezielten Antijagdtraining) gearbeitet, um beim Training die Wertigkeit von Verstärkern zu erhöhen. Das kommt aber auf den Hundetyp an. Wenn Hunde aufgeregt auf jedes Geräusch, jede Bewegung, jede Veränderung reagieren, ist es sinnvoller, das Antijagdtraining "satt" anzugehen, da sie dann oft "ruhiger" sind (Niedigeres Stressniveau: Nicht nur die Ressourcen spielen eine Rolle, sondern auch die Verfügbarkeit verschiedener Nahrungsquellen und eben auch das Stressniveau, auf dem die Hunde leben).
Wenn du Futter nur als Ablenkung nimmst, gibst du Möglichkeiten aus der Hand, es für positives Verhalten an Wild als Belohnung einzusetzen. Bei manchen ("futterverrückten") Hunden kann man ein "Anzeigen von Wild" mit einem Superleckerlie belohnen. Aber Vorsicht dabei...das muss richtig gemacht werden!

Die meisten Jäger (ich rede natürlich von Hunden) können beim Anblick von Wild, also in grosser Erregung, das Futter, das ihnen einfach so zur Ablenkung hingehalten oder in eine andere Richtung geschmissen wird, nicht mehr nehmen bzw. holen. Grundsätzlich funktioniert eine Ablenkung vom Wild bei einem richtigen Jäger kaum.
Ich würde das gewünschte Verhalten auch an der Schleppleine (Geschirr) so lange eintrainieren, bis du den Hund wieder sicher in den Freilauf entlassen kannst - und nur in einer sicheren Umgebung (weit einsichtig).

Auslastung in Form von Nasenarbeit ist für die Hunde schön und wichtig, hilft aber bei optischen Auslösern nicht wirklich weiter, jedenfalls nicht, wenn der Hund sich "die Jagd" schon zum "Hobby" gemacht hat. Ich kann aber natürlich nur von meinem Hund reden.
Vielleicht helfen eher "Reizanlagespiele"?

Ich empfehle dir das Buch "Antijagdtraining" von Pia Gröning.

Es dürfen grundsätzlich Rehe von Hunden noch nichtmal angehetzt werden! Gerade schwangere Tiere geraten dadurch in einen fürchterlichen Stress.
Wo Wild ist und wo die Gegend "uneinsichtig" ist, gehört der Hund an die Leine.

Gast200912280002
30.10.2008, 11:53
Na dann danke ich euch erstmal für die zahlreichen Antworten...
@Diva- das Buch würde ich dir gern abnehmen, schickst du mir bitte eine PN, was du dafür noch möchtest? den Buchtip von Grazi besorg ich mir auch noch.
Ansonsten ist es bei ihm schon so, daß er eigentlich bestens "funktioniert", er hat die Begleithundprüfung mit Bravour bestanden, das Abbruchsignal Halt klappt auch super- nur eben nicht, wenn Wild im Spiel ist. Leckerlis schmeißen oder vor die Nase halten bringt in der Situation auch nichts (auch nicht, wenn er ausgehungert ist)- das habe ich schon probiert. Wenn ich ihm Leckerlis verstecke (dort wo eigentlich keine Gefahr ist)geht er übergangslos von dem Leckerli zur nächsten interessanten Spur...
Mein Problem ist außerdem, dass ich hier in der Gegend niemanden Professionelles habe, der mit dem Kaliber Erfahrung hat. Der Rat mit der Schleppleine stammte schon aus der Hundeschule:sorry: @OG- die werde ich bestimmt nicht mehr nehmen, höchstens auf 5m gekürzt...
Mantrailing habe ich mich auch mal umgehört, das nächste in 2 Stunden Fahrt zu erreichen:(
An Apportieren ist er nicht wirklich interessiert, ich habe aber jetzt mal einen Futterdummy gekauft, vielleicht bekomme ich ihn ja darüber.
Bis dahin heißt es wohl jetzt erstmal nur mit Leine raus:traurig3:
Also- danke erstmal und drückt mir die Daumen (vielleicht war ich bis jetzt von ihm auch verwöhnt durch seine sonstige "Leichtführigkeit"...das rächt sich denn jetzt)

Liebe Grüße- Kati und das Rudel

Suse
30.10.2008, 11:54
Als Zusatz zu den vielen guten Vorschlaegen weiter oben. Ein Gloeckechen ans Halsband fuer . Hilft bei der Hundeortung im Dunkeln und unsere Rehe vor Ort wissen genau was das Gloeckchen bedeutet und verpissen sich meist bevor wir da sind.
Wir haben Falknereigloeckchen, die hoeren sich angenehm an sind aber dennoch sehr laut, den Hunden waren sie von Anfang an voellig egal.

Addition von meiner besseren Haelfte, gibt es bei dir in der Naehe jemand der Wild im Gehege haelt? Hirsche oder Rehe? Du koenntest deinen kleinen dorthin mitnehmen und ihm zeigen das die gar nicht so spannend sind. Also Rehe besuchen bis es ihm gaaaanz langweilig wird und unerwueschtes Verhalten stoppen, ein Zaun zwischen den Tierchen und dir waere gut. Wenn das nicht geht finde einen Jaeger mit zumindest einen toten Reh und mache es so unnattraktiv wie moeglich bis es gar nicht mehr so spannend ist.
Im Extremfall gaebe es auch die Moeglichkeit "Sound aversion" zu verwenden. Im Prinzip die selbe Idee wie Elektrohalsaender <keine Steine schmeissen bitte> nur weniger extrem. Das unerwunschte Verhalten wird mit einem lauten Geraesch verbunden so das der Hund damit aufhoert. Ob eine Dose mit klappernden Steinen reicht oder es was lauteressein muss weisst du, es ist dein Hund.

Aber alles das weiss ein erfahrener Trainer besser, hast du die Moeglichkeit einen bei dir in der Naehe zu finden?

Schick mir eine private message wenn du mehr Details willst oder Fragen hast.

Tyson
31.10.2008, 08:38
:lach3: Grazi hat den Nagel auf den Kopf getroffen, dem ist nichts hinzuzufügen, LG Manuela :lach2:

Gast20091091001
31.10.2008, 09:20
@OG- die werde ich bestimmt nicht mehr nehmen, höchstens auf 5m gekürzt...

Naja, ich meinte ja nicht, dass du deinen Hund einfach so an die Schleppleine machen sollst und ab in die rehreichen Gebiete!

Handling, Radiustraining und "besondere Übungen" (auch) mit Blick auf die Jagd findest du in dem Buch (Pia Gröning).
Ich habe das Buch von Clarissa v. Reinhardt auch gelesen, "Antijagdtraining" hat mir persönlich aber vom Inhalt mehr gegeben.

bold-dog
31.10.2008, 10:07
oh je.....ein Molosser der sich verhält wie ein Windhund ! (Sichtjäger)
So was gibts ?
Hätt ich nicht für möglich gehalten.....

meine eigenen waren immer mehr als einfach in der Beziehung.
Weder Spuren lesen noch auf Sicht jagen war angesagt.

Vielleicht weil meine Hunde auf keinen Fall Mäuse ausbuddeln dürfen ? (will ich auf unserer Wiese wegen der Pferde nicht), weil wir Katzen, und früher auch Hühner hatten ?
.....das hab ich ehrlich gesagt noch nie in Zusammenhang gebracht.

Gerade das mag ich an den Molossern, das sie kaum Jagdtrieb haben (von Dogo und Fila vielleicht abgesehen).

Ich hatte mal einen Pflege-Dogo Rüden hier, der war Jagdhund durch und durch !
Und es war auch mal eine Pflege-BX hier, die für mich völlig unerwartet auf unser Federvieh losgegangen ist wie ein Berseker.....obwohl das Geflügel natürlich sicher hinter dem Zaun war.
Aber das hätte ein Gemetzel gegeben, da bin ich sicher.
Der Hund liess sich aus dieser Situation nicht mehr abrufen.

So einen (Jagd-)Hund zu haben bedeutet eine Menge Arbeit, erst recht wenn er 60 kg wiegt !

Gabi
31.10.2008, 10:22
oh je.....ein Molosser der sich verhält wie ein Windhund ! (Sichtjäger)
So was gibts ?
Hätt ich nicht für möglich gehalten.....

meine eigenen waren immer mehr als einfach in der Beziehung.
Weder Spuren lesen noch auf Sicht jagen war angesagt.

Vielleicht weil meine Hunde auf keinen Fall Mäuse ausbuddeln dürfen ? (will ich auf unserer Wiese wegen der Pferde nicht), weil wir Katzen, und früher auch Hühner hatten ?
.....das hab ich ehrlich gesagt noch nie in Zusammenhang gebracht.

Gerade das mag ich an den Molossern, das sie kaum Jagdtrieb haben (von Dogo und Fila vielleicht abgesehen).


Knut hatte letztes Jahr auch mal so ne Phase, da wollte er den Rehen und einmal den Kaninchen nach. Haben aber im richtigen Moment ihm die Wurfkette hinterher geworfen und ihn auch getroffen, seitdem bleibt er bei mir und macht es nicht mehr. würde aber meine Hand nicht ins Feuer legen, wenn er Rehe vor mir sieht. wir haben auch ne katze, aber er hat auch schon versucht anderen hinterher zu rennen. ich glaub, man muß im richtigen Moment eingreifen, wenn die anfangen Hobbies zu entwickeln und irgendwie glaube ich dass unsere Molosser (vor allem mein knut) da sehr viel Erfindungsreichtum besitzen.
bei knut ist es auch so, dass ich wirklich wärhrend der Spaziergänge ständig mit ihm in Kontakt bin, wenn ich einfach plaudernd und abgelenkt mit ihm gehen würde, würde er das schamlos ausnutzen. hatte das vorher auch noch nie bei nem Hund.

Diva
31.10.2008, 11:05
Ich habe ja einen 6 jährigen Ridgeback Mix...einen Jäger vor dem Herrn - aber ein reiner "Sichtjäger".
Das wichtigste war das Abbruchsignal oder "Superwort" im Training dagegen. Wir haben mit Deprivation (also hungrig zum gezielten Antijagdtraining) gearbeitet, um beim Training die Wertigkeit von Verstärkern zu erhöhen. Das kommt aber auf den Hundetyp an. Wenn Hunde aufgeregt auf jedes Geräusch, jede Bewegung, jede Veränderung reagieren, ist es sinnvoller, das Antijagdtraining "satt" anzugehen, da sie dann oft "ruhiger" sind (Niedigeres Stressniveau: Nicht nur die Ressourcen spielen eine Rolle, sondern auch die Verfügbarkeit verschiedener Nahrungsquellen und eben auch das Stressniveau, auf dem die Hunde leben).
Wenn du Futter nur als Ablenkung nimmst, gibst du Möglichkeiten aus der Hand, es für positives Verhalten an Wild als Belohnung einzusetzen. Bei
manchen ("futterverrückten") Hunden kann man ein "Anzeigen von Wild" mit einem Superleckerlie belohnen. Aber Vorsicht dabei...das muss richtig gemacht werden!

Die meisten Jäger (ich rede natürlich von Hunden) können beim Anblick von Wild, also in grosser Erregung, das Futter, das ihnen einfach so zur Ablenkung hingehalten oder in eine andere Richtung geschmissen wird, nicht mehr nehmen bzw. holen. Grundsätzlich funktioniert eine Ablenkung vom Wild bei einem richtigen Jäger kaum.
Ich würde das gewünschte Verhalten auch an der Schleppleine (Geschirr) so lange eintrainieren, bis du den Hund wieder sicher in den Freilauf entlassen kannst - und nur in einer sicheren Umgebung (weit einsichtig).

Auslastung in Form von Nasenarbeit ist für die Hunde schön und wichtig, hilft aber bei optischen Auslösern nicht wirklich weiter, jedenfalls nicht, wenn der Hund sich "die Jagd" schon zum "Hobby" gemacht hat. Ich kann aber natürlich nur von meinem Hund reden.
Vielleicht helfen eher "Reizanlagespiele"?

Ich empfehle dir das Buch "Antijagdtraining" von Pia Gröning.

Es dürfen grundsätzlich Rehe von Hunden noch nichtmal angehetzt werden! Gerade schwangere Tiere geraten dadurch in einen fürchterlichen Stress.
Wo Wild ist und wo die Gegend "uneinsichtig" ist, gehört der Hund an die Leine.

Natürlich darf man keine Wunder über Nacht erwarten.
Diva kann beides: Auf Sicht und per Geruch jagen. Sie war früher so hibbelig, dass im Gebüsch nur ein Windhauch die Zweige zu bewegen brauchte und sie war schon hin und weg. Sie scannte das Feld und die Wiesen ab, ob sie irgendetwas auffälliges sieht und war dann auch nicht mehr ansprechbar und zum weitergehen zu bewegen.
Deshalb übernahm ich soz. die Unterhaltung beim Gassi. Ich übte mit ihr UO, dann versteckte ich wieder irgendetwas und ließ sie suchen, dann rannte ich plötzlich in die andere richtung und belohnte sie überwschwenglich wenn sie mir hinterherrannte usw. Man muß schon ein bißchen Fantasie an die Sache herangehen. So kam sie jedenfalls gar nicht dazu "in Ruhe" ihrem Hobby nachzugehen. Am Ende des Spaziergangs war sowohl sie als auch ich total am Ende.
Mit der Zeit "erwartete" sie sogar dieses Entertainment und ich mußte mir immer neue Sachen ausdenken. Z. B. ein bißchen Agility mit den Dingen die halt da waren - über Baumstamm klettern oder durch Bäume Slalom laufen etc. Die Abstände, wo sie nur schnüffeln durfte wurden langsam immer verlängert. Wie gesagt, man darf keine Wunder erwarten und Rückschläge gibt es immer wieder.
Wenn Diva das Wild dann mal gesehen hat, war sie logischerweise extrem aufgeregt und mit nichts abzulenken. Sie zitterte am ganzen Leib und hechelte. Aber ich hatte sie soweit im Griff, dass sie stehenblieb und ich eben die Zeit hatte zu ihr zu gehen um sie anzuleinen. Dann mußte ich sie natürlich wieder von ihrem Streß herunterbringen. Ich habe ihren Namen gerufen und wenn sie nur Ansatzweise in meine Richtung geblickt hat, sie sofort belohnt. Manchmal dauerte es eine halbe Stunde bis wir wieder normal weitergehen konnten. Wir haben dann gleich wieder irgendein schönes Spiel angefangen. So dass sie ein schönes Erlebnis mit mir verband und die Rehe vergessen waren.

"Die meisten Jäger (ich rede natürlich von Hunden) können beim Anblick von Wild, also in grosser Erregung, das Futter, das ihnen einfach so zur Ablenkung hingehalten oder in eine andere Richtung geschmissen wird, nicht mehr nehmen bzw. holen. Grundsätzlich funktioniert eine Ablenkung vom Wild bei einem richtigen Jäger kaum."
Deshalb sagte ich ja, man muß schneller sein und das Wild vor dem Hund sehen. Wenn der Hund es mal gesehen hat, dann geht natürlich nix mehr....

"Auslastung in Form von Nasenarbeit ist für die Hunde schön und wichtig, hilft aber bei optischen Auslösern nicht wirklich weiter, jedenfalls nicht, wenn der Hund sich "die Jagd" schon zum "Hobby" gemacht hat. Ich kann aber natürlich nur von meinem Hund reden."

Kopfauslastung ist immer wichtig - egal was du da tust. Suchspiele, Reizangelspiele, Apportieren etc. oder eben Mantrailing.
Ich kann nur immer wieder wiederholen: Seit ich Mantrailing mache ist Diva ruhiger, ausgeglichener und handlebarer. Uns hats geholfen.
Hilft nur nix, wenn das Angebot nicht vorhanden ist.

Liebe Grüße

Karin

Gast20091091001
31.10.2008, 11:18
"Die meisten Jäger (ich rede natürlich von Hunden) können beim Anblick von Wild, also in grosser Erregung, das Futter, das ihnen einfach so zur Ablenkung hingehalten oder in eine andere Richtung geschmissen wird, nicht mehr nehmen bzw. holen. Grundsätzlich funktioniert eine Ablenkung vom Wild bei einem richtigen Jäger kaum."
Deshalb sagte ich ja, man muß schneller sein und das Wild vor dem Hund sehen. Wenn der Hund es mal gesehen hat, dann geht natürlich nix mehr....

"Auslastung in Form von Nasenarbeit ist für die Hunde schön und wichtig, hilft aber bei optischen Auslösern nicht wirklich weiter, jedenfalls nicht, wenn der Hund sich "die Jagd" schon zum "Hobby" gemacht hat. Ich kann aber natürlich nur von meinem Hund reden."

Kopfauslastung ist immer wichtig - egal was du da tust. Suchspiele, Reizangelspiele, Apportieren etc. oder eben Mantrailing.
Ich kann nur immer wieder wiederholen: Seit ich Mantrailing mache ist Diva ruhiger, ausgeglichener und handlebarer. Uns hats geholfen.
Hilft nur nix, wenn das Angebot nicht vorhanden ist.

Liebe Grüße

Karin

Hallo Karin,
ich wollte dir auch nicht widersprechen, sondern das Geschrieben einfach ein bisschen ergänzen.
Leckerlie oder ein Spiel als Ablenkung hilft garnichts, wenn der Hund das Wild bereits gesehen hat. Wenn nicht - natürlich.:lach1:...in der Situation...aber das ist nicht die Lösung des Problems.
Und Mantrailing oder Nasenarbeit ist kein Allheilmittel gegen "den optischen Auslöser Wild".
Man muss schon an dem Problem arbeiten und nicht den Hund einfach ein paar Wochen an die kurze Leine nehmen, sich für's Mantrailing anmelden und hoffen, dass sich alles wieder legt...
Sorry, hab mich blöd ausgedrückt.

Gast200912280002
31.10.2008, 16:51
:lach1: Hallo nochmal,
nachdem die letzten beiden Tage kurze Leine und Üben im Garten angesagt waren, war ich heute etwas mutiger und bin wieder ohne Leine gelaufen. In den zwei Tagen habe ich ihm seine Vorliebe für den Futterdummy rübergebracht:lach2:- und wir haben den ganzen Spaziergang damit gespielt. Keinerlei Spurablenkung, natürlich war ich besonders wachsam und hatte auch das Glück, dass sich kein Wild in Sichtweite aufhielt. Jetzt heißt es dranbleiben und im Wechsel mit Üben, Leine, Spielen, Ablenken, denke ich schon wieder positiver und denke, wir könnten es schaffen. Die Schleppleine hab ich auf 5 Meter gefaltet und geknotet, die kommt aber erst wieder zum Einsatz, wenn ich wieder 100% fit bin (kann momentan die Linke nicht so gut gebrauchen)...
Danke nochmal für den zuspruch und die Tips-
Liebe Grüße- Kati und das rudel

Dickbert
31.10.2008, 20:40
war ich heute etwas mutiger und bin wieder ohne Leine gelaufen


...sehr leichtsinnig:schreck:....
Stell dir das nicht so einfach vor. Ich will dir deine Freude ja nicht nehmen aber ich kann dir aus Erfahrung sagen das dieses Antijagdtraining nicht so einfach ist bzw. wird und vorallem nicht so ablaufen sollte das du ihm 2 Tage später wieder die Gelegenheit zum jagen gibst!

kopfschüttelnd
Yvonne

Grazi
01.11.2008, 07:32
Ich will dir deine Freude ja nicht nehmen aber ich kann dir aus Erfahrung sagen das dieses Antijagdtraining nicht so einfach ist bzw. wird und vorallem nicht so ablaufen sollte das du ihm 2 Tage später wieder die Gelegenheit zum jagen gibst! Yep... der Hund darf bestenfalls nie wieder die Gelegenheit bekommen auszubüchsen, bis er wirklich wildgehorsam ist .... und selbst dann muss man immer wachsam sein, die Gegend im Blick haben und seinen Hund verdammt gut lesen.

Grüßlies, Grazi

Corso Tosa
01.11.2008, 07:33
@*********

Nicht von der Leine lassen !!!
Du gefährdest im Moment Dich und Deinen Hund.

Conner
04.11.2008, 08:16
Ich bezweifele ob man es überhaupt komplett "wegtrainieren" kann, da es sich nun mal um einen Instinkt handelt.

Man kann nur üben seinen Hund zu lesen, üben ihn in der Sekunde davor vielleicht noch zu stoppen und ich meide alles wo sich auch nur auf Entfernung etwas bewegt. Im Zweifelsfall bleibt Paul an der Leine.

Allerdings ging er früher auch an der Leine (und mit mir hintendran) los.
Das haben wir komplett hingekriegt, an der Leine kann ich mit STOP unterbrechen.

Beim Apportieren beobachte ich allerdings im Moment, daß es auf Dauerbespaßung rausläuft. Wenn ich einmal damit anfange und dann während dem Spaziergang aufhöre und nichts mehr mit ihm mache geht der Blick wieder in die Weite. Dann sucht er seinen Spaß alleine.

Es bleibt eine Gradwanderung, der Adrenalin-Rausch ist schwer zu toppen.

LG
Annette

Grazi
06.11.2008, 06:02
Da die folgende Diskussion teilweise sehr ins Theoretische abdriftete und mit dem eigentlichen Thema nur noch marginal zu tun hatte bzw. nicht mehr speziell auf das eigentliche Problem einging, wurden die entsprechenden Beiträge in ein eigenes Thema ("Jagdverhalten") verschoben.

Grüßllies, Grazi

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