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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : NOTFALL! Dobi-Mix Sam (Rüde, *ca. 2010) bei der Hellhound Foundation


Grazi
01.02.2017, 10:41
NOTFALL!

Sam

http://i238.photobucket.com/albums/ff265/Grazi_07/tierschutz/tierschutz002/Sam-3-e1485938781950.jpg (http://s238.photobucket.com/user/Grazi_07/media/tierschutz/tierschutz002/Sam-3-e1485938781950.jpg.html)

Dobermann-Mischling, kastrierter Rüde, ca. 62 cm groß, 38 kg schwer, ca. 7 Jahre alt.
Standort: seit August 2014 bei der Hellhound Foundation in 29646 Bispingen

Sam wartet schon seit über 2 Jahren auf ein passendes Zuhause!

Die Tierheimleiterin schreibt:

Sam kam durch den Hilferuf einer Hundepension zu mir, wo er vom für den Kreis zuständigen Veterinär abgegeben worden war. Der Rüde gehörte einer drogensüchtigen Dame, welche sich dann und wann völlig im Rausch verlor und Sam somit dazu verdammte, neben ihr an der Leine auszuharren und sie zu schützen, bis sie wieder ansprechbar war, um dann den Heimweg anzutreten.

Sam wurde ursprünglich als Junghund von einer Dobermann-Nothilfe von irgendwoher nach Deutschland gebracht und dann an besagte Dame vermittelt. Leider fiel diese Vermittlung und damit auch sein Schicksal wohl unter „Man kann den Menschen nur bis vor den Kopf gucken.“

Die Vorbesitzerin war kein Monster und augenscheinlich bemüht um Sam, da er eigentlich viele gute Qualitäten und auch eine gute Grunderziehung mitbrachte. Lediglich um ihre eigene Gesundheit schien sie sich nicht all zu sehr zu sorgen. Mit ihren häufigen Blackouts und der Unfähigkeit, für sich und Sam die Führungsqualität zu zeigen, die er als Dobermann eigentlich rund um die Uhr braucht, traf sie voll ins Schwarze. Der Bursche übernahm also den Part des Versorgers und Beschützers, wenn sie nicht dazu in der Lage war, und übte sich darin.

Als die Besitzerin eines Tages ein Paket erhielt und die Tür öffnete, sprang Sam raus und biss dem Zusteller in den Arm. Nicht schön, aber nachvollziehbar – hatte der junge Hund ja nun sein Amt perfektioniert und war bereit, Frauchen gegen alles und jeden zu verteidigen!

Als man der Frau Sam entriss und ihn in den Pensionszwinger sperrte, wurde er fast krank vor lauter Verlassensangst. Zudem hatte er ja gelernt, v.a. Männer abzuwehren, die sich an seinem im Delirium befindlichen Frauchen vergreifen wollten, seien es nun Sanitäter in guter Absicht oder Herumtreiber in böser Absicht.

Dummerweise war mein guter Freund und Pensionsbetreiber nicht nur männlich, sondern auch noch ziemlich groß und stämmig…. und stellte damit wohl Sams „Endgegner und absolutes Feindbild“ dar. Er konnte den Zwinger nicht reinigen und hatte auch keine Chance, den Hund in einen anderen Auslauf zu befördern, da Sam ihn stellte und bei jeder Gelegenheit wissen ließ, dass er wusste, was seine Zähne anrichten können. Der Rüde ruinierte also Nerven und Geschäft des werten Mannes und wurde zunehmend aggressiver und unsicherer.

Ich hingegen durfte ihn aus dem Zwinger holen. Als sein abgetragenes Kettenhalsband riss (er war eben sehr stürmisch, schließlich hatte er den Zwinger ja nun längere Zeit nicht verlassen) und ich ihn im Hof einkesseln und einfangen musste, war er zwar hektisch, aber nicht aggressiv.

Hier in der Gruppe ist Sam super verträglich, außer in Sachen Futter: da pöbelt er und springt nach vorne, wenn sich ein Hund zu nah an ihm vorbei zwängt. Mir gegenüber ist er sehr anhänglich und verschmust und auch meinen Freund hat er recht schnell als Mitglied akzeptiert.

Was hat Sam für ein Problem?

Er hat gelernt, dass Menschen versagen. Als sehr guter Beobachter weiß er, wo die Schwächen seiner Bezugspersonen sind und ersetzt diese dann in eigener Initiative. Menschen, die ihm entgegen kommen und was von mir oder ihm wollen, wenn er an der Leine ist, werden aggressiv abgewehrt. Läuft er frei, passiert gar nichts.

Was für Menschen braucht Sam?

Am besten Leute mit Dobermannerfahrung, die körperlich fit und reaktionsschnell sind. Leute, die um Sams Eigenheit „für seine Menschen durch’s Feuer zu gehen, auch wenn es keinen ersichtlichen Grund gibt“ wissen und damit auch umgehen sowie leben können. Leute, die ihm vor dem Besuch in der Tierarztpraxis immer einen Maulkorb anlegen , die die Tür kontrolliert öffnen, wenn Besuch kommt, und die immer wissen, WO Sam gerade ist, um bissige Begrüßungen zu vermeiden u.v.m.

Sam braucht ein festes sowie stabiles Umfeld und Menschen, die ihm helfen zu verstehen, dass die Menschen, auf die er in seiner Vergangenheit traf, auch genau dort hingehören und irgendwann in Vergessenheit geraten dürfen. Ich suche für ihn Menschen, die die Verantwortung dafür tragen, dass Sam SEINE Verantwortung ablegt und neue Ziele im Leben anstreben kann.

Er ist kein Hund, der aufgrund seiner Vergangenheit nach Mitleid sucht, sondern er will gefördert werden und dazulernen. Er hat kein Problem mit Begrenzungen durch seine Menschen, solange diese fair und angebracht sind. Undurchsichtige Erziehung oder einfach nur menschliches, emotionales Abreagieren von schlechter Laune kennt er gut und braucht dies nicht!

Sam kurz und knapp zusammengefasst:

Wesen: wachsam, neugierig, lernfreudig

Verhalten gegenüber Kindern: wird aufgrund der Vorgeschichte nicht zu Kindern vermittelt
Verhalten gegenüber Erwachsenen: bei Fremden misstrauisch bis aggressiv, wenn man ihm nicht hilft, loyal & lieb bei seinen Besitzern
Verhalten gegenüber Artgenossen: gut sozialverträglich
Verhalten gegenüber anderen Tieren: eher uninteressiert

Gehorsam/Leinenführigkeit: kann alle Grundkommandos (Sitz, Platz, Bleib, Aus, Fuß), geht gut an der Leine & ist auch abrufbar AUSSER bei schnellen Bewegungsreizen (Wild, Jogger etc.); vergisst bei Stress oder vermeintlicher Bedrohung jegliche Kommandos & Nettigkeit

Schlechte Erfahrungen/Ängste: Männer; Leinenpöbler

ist stubenrein: ja
kann alleine bleiben: ja
fährt brav im Auto mit: wirkt zu Beginn leicht gestresst, legt sich dann aber hin & schläft; springt in jeden offenen Kofferraum

Gesundheit: linkes Ohr neigt dazu leicht gereizt zu sein; wird mit fetthaltiger Creme geschmeidig gehalten

Abgabegrund: Beschlagnahmung wegen Drogenkonsums der Vorbesitzerin, Verwahrlosung, Beissvorfall mit Paketboten

Anforderungen an das neue Zuhause: dobermann-erfahrene Menschen (am einfachsten Frauen); evtl. mit einem netten souveränen Hund; mit Garten oder sportlichem Engagement; die ihm die Welt noch ein bisschen zeigen & etwas an der Grunderziehung tun

Grazi
04.02.2017, 08:07
Heute wird ein Vorbesuch bei Interessenten gemacht und wenn alles passt, darf Sam gleich zum Probewohnen dort bleiben. Wir drücken die Daumen! :ok:

Grüßlies, Grazi

Grazi
02.03.2017, 05:58
Nach mehr als zwei Jahren hat Sam endlich die richtigen Menschen gefunden. Ein Pärchen und ihr Retrieverrüde haben sich direkt in den Dobermann-Mischling verliebt, der sonst kaum Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. :ok:

Grüßlies, Grazi

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