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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen Kastration bei unsicherer, angstaggressiver Hündin


Sanny
27.10.2016, 07:25
Shira ist jetzt knapp 6 Jahre alt und seit 2,5 Jahren bei uns. Wir haben sie aus schlechter Haltung und völliger sozialer Isolation übernommen. Insgesamt haben wir schon große Fortschritte machen können, aber sie wird immer in allen Lebenslagen ein unsicherer Hund bleiben. Noch dazu fehlt ihr Sannys Sicherheit enorm. An ihrer Angstaggression gegenüber anderen Hunden arbeiten wir schon lang, auch mit Trainerin. Gegenüber den Anfängen (Hund im 500m Entfernung und sie hing schreiend, um sich schnappend in der Leine) sind wir hier auch schon einen großen Schritt weiter. Aber insgesamt ist es ein auf und ab. Was uns eindeutig jedes mal wieder nach hinten wirft sind unkontrollierte Hundebegegnungen und tatsächlich ihre Läufigkeit und die folgende Scheinträchtigkeit.

Kastration war bisher noch nie ein Thema für uns, aber so langsam denke ich doch darüber nach. Während der Läufigkeit ist sie arg lustlos, womit wir seit Sannys Tod sowieso schon sehr zu kämpfen haben. Da wird es nochmal deutlich schlimmer, sie ist zu nahezu nichts zu bewegen. Während der Scheinträchtigkeit wird sie dann extrem stark gereizt und leider auch aggressiver. Sowohl angstmotiviert, als auch "einfach nur so". Bei der letzten Scheinträchtigkeit war es so schlimm, dass sie mit ernsthafter Beschädigungsabsicht auf unsere Katzen im Haus los gegangen ist. Obwohl sie bis dahin ein Herz und eine Seele waren und auch jetzt wird wieder viel gekuschelt und sich gegenseitig geputzt. Die Sorge, dass es beim nächsten Mal noch schlimmer wird und den Katzen doch mal etwas passiert ist natürlich groß (Bei unserer Abwesenheit sind sie seitdem immer getrennt). Außerdem wirft es uns im Training für den Alltag und bei Hundebegegnungen immer wieder extrem zurück.

Aber nun hört und liest man oft, dass man unsichere und/oder aggressive Hunde eher nicht kastrieren sollte. Hat hier jemand Erfahrung mit dieser Problematik?

Wum & Wendelin
27.10.2016, 07:59
Guten morgen Saskia,
wir haben Whoopi mit 3 Jahren kastrieren lassen. Olli war ja schon da und er war bereits kastriert, deswegen war unsere Idee, dass wir sie nicht kastrieren lassen müssen. Sie ist schon immer ein unsicherer Hund gewesen. Nach jeder Läufigkeit folgte eine Scheinträchtigkeit und es wurde jedes Mal schlimmer. Ihr Verhalten war nicht mehr erträglich. Sie legt sowieso nicht viel Wert auf andere Hunde und hat eine aggressive Körpersprache, aber abgesehen davon, dass sie sich selbst auf Diät setzte und dann immer sehr dünn wurde, war sie bei der letzten Scheinträchtigkeit wie von Sinnen. Ein normaler Spaziergang war nicht mehr möglich, Kuscheltiere unserer Kinder fielen ihr zum Opfer und sie sprang bei einem Spaziergang 1,5 h dauerhaft an mir hoch. Ich hab sowas noch nie erlebt. Und genau, wie du es beschreibst: wir haben geübt und geübt und immer wieder so viele Nerven gelassen und die Hormone haben uns jedes Mal zurück geworfen.
Ich hatte vorher diverse Mittelchen ausprobiert, viel gelesen und hab lange mit unserer TÄ darüber gesprochen. Wir haben sie dann kastrieren lassen. Sie ist natürlich kein anderer Hund geworden, aber ich muss sagen, es ist doch deutlich entspannter. Sie hat diese hormonbedingten Aussetzer nicht mehr. Ist einfach nur noch etwas speziell.
Ich muss sagen, ich würde das nächste Mal sofort kastrieren lassen, sobald sich Probleme mit und nach der Läufigkeit einstellen. Ich würde nicht wieder so lange warten.
Alles was ich gelesen habe und was meine TÄ uns sagte, kam eigentlich zu dem Ergebnis: gibt es Probleme, wird es mit jeder Läufigkeit schlimmer.
Für mich ein klares JA zur Kastration.
Alles Gute für euch.

Sanny
31.10.2016, 12:42
Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich hatte gehofft es kommt vielleicht noch der ein oder andere...

Aber du hast mich in meiner Tendenz bestärkt. Mit der Läufigkeit sind wie gerade durch. Wenn wir in der nun bald kommenden Scheinträchtigkeit wieder die bekannten Probleme haben, wird das ihre letzte.

Wum & Wendelin
31.10.2016, 14:50
Ich dachte auch, dass sich noch der ein oder andere meldet. Vielleicht kommt noch jemand.
Die Kastration hat sie übrigens super überstanden, die Wundheilung war fantastisch und die Narbe nach ein paar Wochen kaum noch sichtbar.

Louis&Coco
31.10.2016, 15:01
Diesbezüglich kann ich keine Erfahrungen vorweisen, aber wenn die hormonellen Schwankungen so gravierende Verhaltensänderungen verursachen, wäre das für mich schon eine medizinische Indikation für eine Kastra.
Ich denke du machst dir die Entscheidung sicher nicht leicht und wiegst das Für und Wider gut ab. :lach3:

Muffin
31.10.2016, 15:02
Wir haben unsere beiden Mädels auch deswegen kastrieren lassen. Billa unsere unsichere Hündin die vom Vermehrer stammt hat es gut geklappt. Muffin wurde nicht vollständig kadtriert. Wird immer noch schwach läufig und hatte jetzt Mamma Tumorgewebe. Alles in allem würde ich aber auch dazu raten, zu kastrieren.

Grazi
01.11.2016, 07:16
Diesbezüglich kann ich keine Erfahrungen vorweisen, aber wenn die hormonellen Schwankungen so gravierende Verhaltensänderungen verursachen, wäre das für mich schon eine medizinische Indikation für eine Kastra. Das sehe ich ganz genauso!

Mortisha (unsicherer Kaspar Hauser, der notfalls nach vorne geht) wurde ohne medizinische Indikation nach der ersten Läufigkeit kastriert. Nach heutigem Wissenstand würde ich das heute nicht noch einmal machen, sondern zumindest abwarten, bis die Hündin erwachsen ist.

Shira ist aber bereits erwachsen und ihr Verhalten verschlimmert sich während der Läufigkeiten und folgenden Scheinträchtigkeiten. Das ist nicht nur für euch (und die Katzen) problematisch, sondern vor allem auch Stress pur für die Hündin.

Ich würde hier schon kastrieren lassen... wichtig ist aber, dass ihr den richtigen hormonellen Zeitpunkt wählt!

Grüßlies, Grazi

Sanny
04.11.2016, 08:46
Oh ja, leicht mache ich mir diese Entscheidung nicht. Die Scheinträchtigkeiten sind wirklich für alle Stress, für Shira sicherlich der größte. Man merkt ihr deutlich an, dass sie sich damit unwohl fühlt. Aus diesem Grund würde ich uns allen das gerne nehmen.

Die Info man sollte unsichere Hunde nicht kastrieren, macht es mir so schwer. Das Zusammenleben mit Shira ist allgemein "nicht gerade einfach". Das letzte was ich möchte ist, dass es nach der Kastration noch schlimmer wird.

Die Tendenz geht jedoch immer weiter dazu es zu tun. Natürlich zur richtigen Zeit wie Grazi angesprochen hat. Mitte/Ende Januar wäre es dann soweit.
Danke für eure Antworten.

Wum & Wendelin
04.11.2016, 09:43
Die Info man sollte unsichere Hunde nicht kastrieren, macht es mir so schwer.

Wo gibt es diese Info? Hab ich jetzt zum ersten Mal gehört.

Sanny
04.11.2016, 10:06
Hier z.B. http://www.wuff.eu/wp/die-kastration-der-huendin-aus-verhaltensbiologischer-sicht/

Habe dies aber auch schon mehrfach gehört und gelesen.

Wum & Wendelin
04.11.2016, 13:06
Danke für den link, hab den Artikel gerade gelesen.
Aber da steht auch nur, dass die Hündinnen zeitweise unsicherer werden können. Also "kann" und "zeitweise" ... natürlich hat man für nichts eine Garantie. Natürlich ist jedes Individuum anders, aber da muss man eben die Vor- und Nachteile abwägen. Die Hündinnen "können"ja auch inkontinent werden, was ja auch nicht bedeutet, dass es so sein muss. Es nutzt die beste Statistik nicht, wenn man selbst oder der Hund zu einem kleinen Prozentteil gehört. Das ist eben leider so.

Grazi
04.11.2016, 14:59
@Suse: Das ist der aktuelle wissenschaftliche Wissensstand.

Sehr gut in folgendem Buch nachzulesen:

Kastration und Verhalten beim Hund - Eine Entscheidungshilfe
(Udo Ganslosser, Sophie Strodtbeck)

Grüßlies, Grazi

Conti Inca
04.11.2016, 17:26
@Saskia
Meine Trainerin rät auch eher davon ab unsichere Hunde zu kastrieren. Aber das ist natürlich Einzelfallabhängig. Hast du einen Trainer, der sich in Verhaltensfragen gut auskennt und das einschätzen könnte?

Wum & Wendelin
04.11.2016, 19:14
Danke Grazi.

Sanny
07.11.2016, 18:56
@Grazi
Udo Ganslosser differenziert nochmal. Bei ängstlichen Hündinnen sieht er kein Problem. Aber bei den "rüdigen", die eher zum Prollen neigen. Shira ist ja ein Gemisch daraus...ziemlich schwierig.

@ContiInca
Generell unsichere Hunde, oder eher auf unsichere Rüden bezogen? Da sind sich ja im Prinzip alle einig. Und wenn auch auf Hündinnen, mit welcher Begründung? Oder Erfahrungswerte?
Unsere Trainerin hat ein tolles Händchen für Shira, sie sieht in der Kastration kein Problem. Betont aber auch selbst, dass sie keine Verhaltenstherapeutin ist und das nur ihre persönliche Meinung ist. Die Verhatenstherapeutin die wir hier hatten, war leider...nicht ganz so kompetent wie erhofft und damit keine Hilfe ;)

Conti Inca
08.11.2016, 17:52
Unsichere Hunde beiderlei Geschlechts. Wenn ich das richtig in Erinnerung hab, hat sie gesagt dass die Hormone selbstsicherer machen und wenn man die dann einem eh schon unsicheren Hund nimmt, kann das nach hinten los gehen. Aber ich kann sie nochmal fragen ob sie mir das genauer erklärt.
Meine Trainerinnen sind super was Verhaltenssachen angeht. :ok:
Die haben Inca super hinbekommen obwohl ich anfangs dachte das wird NIEMALS was. :schreck:

Sanny
09.11.2016, 12:13
Das wäre total lieb, wenn du sie mal fragen würdest @ContiInca. Ein bisschen Zeit haben wir ja noch...

Conti Inca
09.11.2016, 18:43
Mach ich. :)

Sanny
10.11.2016, 07:19
Danke :)

Conti Inca
10.11.2016, 17:42
Ich schick dir eine PN. :)

Grazi
13.11.2016, 20:53
Unsichere Hunde beiderlei Geschlechts. Wenn ich das richtig in Erinnerung hab, hat sie gesagt dass die Hormone selbstsicherer machen und wenn man die dann einem eh schon unsicheren Hund nimmt, kann das nach hinten los gehen. Yep... genau so habe ich das auch in Erinnerung!

Bei den bereits "prolligen" Hündinnen kann es zu einer Aggressionssteigerung kommen, weil nach der Kastra der Testosteron-Level im Relation zu Östrogen, Prolaktin & Co. ansteigt. Dies betrifft aber insbesondere Aggressionsbereitschaft gegenüber Artgenossen und nicht Menschen.

Mir hatte das damals bei Vega Sorgen gemacht, weil die ja recht "rüdig" war, das Bein hob, markierte und als junge Hündin keiner Auseinandersetzung aus dem Weg ging. Nachdem wir aber nur noch Dauerstress hatten, haben wir kastriert... und es war, als ob wir ihr eine Riesenlast von den Schultern genommen hatten.

Das passt aber auch wieder nicht zu Shira.

Grüßlies, Grazi

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