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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welpe zum "alten Hund"


oska
27.06.2006, 21:09
Hallo, folgende Situation. Unsere Hündin lebt jetzt seit 6 Jahren bei uns gemeinsam mit einer Katze. Die Hündin ist jetzt 10 Jahre alt. Nun zieht anfang August ein kleiner Bullmastiff-Welpe zu uns. Wir haben jetzt schon Kontakt zum Züchter. Haben auch ein kleines Kuscheltier, welches in Astas (Hündin) Korb liegt und welches wir mit zum Kleinen nehmen. Wenn es den Geruch von dem anderen Rudel angenommen hat, nehmen wir es wieder mit zu Asta. Habt ihr Tipps oder Erfahrungen, wie so eine "Familienzusammenführung" gut funktioniert?
Danke schonmal für Eure Antworten

Julie
27.06.2006, 21:46
Für die alte Hündin wäre es besser gewesen, Ihr hättet Euch ein paar Jahre vorher zum Zweithund entschieden. Als Boxer-Bully-Misch ist zehn Jahre schon ein stattliches Alter und ich befürchte, sie hat nicht mehr die "Nerven" für so einen kleinen Irrwisch und könnte zickig reagieren. Auch wird es ihr körperlich evtl. zu viel werden. Auch wenn sie augenscheinlich noch mal aufblühen wird, solltet Ihr das sehen, dass die alte Dame nicht überfordert wird.

oska
27.06.2006, 21:53
Hallo Julie. Unsere Hündin ist zum Glück noch sehr fit. Wir waren jetzt erst beim Tierarzt und haben sie untersuchen lassen, weil sie etwas Hautprobleme hat, aber es ist alles in Ordnung. Auch psychisch ist sie noch gut drauf, sehr interessiert an allem und hat auch noch richtig Lust, mit anderen Hunden zu spielen. Wir hoffen natürlich nicht, daß es ihr zuviel wird mit dem Kleinen. Außerdem sorgen wir dafür, daß wir mit beiden Hunden auch einzeln etwas unternehmen.

Anne
28.06.2006, 00:00
Schließe mich aus Erfahrung Julie an. Wir würden zu einem alten Hund nie wieder einen Welpen nehmen.

Grazi
28.06.2006, 07:32
Also...ich sehe das aus Erfahrung ganz anders als Julie und Anne. ;)

Wobei ich die Entscheidung ganz stark von gesundheitlichem und Allgemeinzustand des Althundes abhängig machen würde. Und ob er generell noch gerne spielt, Welpen / Junghunde erträgt und dergleichen. Eurer Schilderung nach klingt es eigentlich schon so, als ob man Asta einen Welpen zumuten könnte. Aber das könnt nur ihr beurteilen, weil ihr euer Mädel am besten kennt und einschätzen könnte. Und natürlich liegt es an euch, sie vor dem Junggemüse zu "beschützen", falls sie zu sehr genervt wird und den Kleinen nicht problemlos in die Schranken weisen kann.

Mein vorletzter Welpe kam zu einer 6- und einer 12-jährigen Althündin. Wobei die ältere Hündin zwar die kleinere, aber ranghöhere war. Sie hat den Welpen ohne viel Aufhebens in seine Schranken gewiesen und hat sich ansonsten in souveränem Ignorieren geübt. Äußerst selten demonstrierte sie ihre "Machtposition" durch Tabuisierungsspielchen. Ansonsten hat sie sich hin und wieder dazu herabgelassen, mit der Kleinen zu spielen und sich dabei auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie bei Beutespielen den Kürzeren zog.

Mein letzter Welpe kam zu einer 9-jährigen und einer 2-jährigen Hündin. Obwohl die alte Dogge ansonsten total begeistert ist von Jungspunden, war ihr das Gehibbel zuhause zuviel und sie hat oft und viel gemotzt. Was aber sicher daran gelegen hat, dass sie generell kein ultragelassener Hund ist. Mit ein bissel menschlicher Hilfe war aber auch das kein übermäßiger Stress und so ist auch diese Dreierkonstellation zu einem harmonischen Kleinrudel gewachsen.

Grüßlies, Grazi

Bonsai
28.06.2006, 08:26
Moin, moin, ich denke wie Grazi, dass es zum einen an der Konstitution und Temperament und Gesundheitszusstand von der Hündin und in großem Maße auch von euch abhängt, wie gut oder schlecht so eine Adoption über die Bühne geht.
Wir haben persönlich keine Erfahrungen mit so einer Situation gemacht, aber ich erlebe es momentan bei einer Freundin mit: die haben eine 9jährige Doggen-Labradorhündin, die noch erstaunlich fit ist für ihr Alter und haben vor drei Wochen einen Welpen zu sich geholt. Leika (die "Alte") hat die Lütte innerhalb weniger Tage angenommen, spielt ab und zu mit ihr, ignoriert sie auch immer wieder, läßt sie bei sich im Korb schlafen und putzt sie ziemlich intensiv. Nur wenn es zum einen Kauknochen geht, knurrt Leika die Lütte an, die schon verdammt gut kapiert hat, dass sie dann besser geht. Es ist wunderschön zu beobachten, wie toll das funktioniert!
Ihr kennt eure Hündin am besten und da kommt es glaube ich eher auf das Bauchgefühl an, als auf Argumente von außen, denn Außenstehende können doch gar nicht beurteilen, wie eure Hündin reagieren könnte...
Unser Bonsai (Rotti) war ja erst 3 1/2 als Welpi kam, aber wir haben trotzdem einen Fehler gemacht: wir haben mit Halvar zu wenig allein unternommen... er fühlt sich ohne Bonsai ziemlich verloren und unwohl... aber wir arbeiten nun daran...

Grazi
28.06.2006, 09:04
Unser Bonsai (Rotti) war ja erst 3 1/2 als Welpi kam, aber wir haben trotzdem einen Fehler gemacht: wir haben mit Halvar zu wenig allein unternommen... er fühlt sich ohne Bonsai ziemlich verloren und unwohl... aber wir arbeiten nun daran... Ein sehr wichtiger Punkt! Der Welpe sollte sehr viel alleine unternehmen und lernen, neue Situationen sowie Fremdhundbegegnungen alleine zu meistern und Selbstsicherheit zu erlangen, ohne sich immer wieder auf einen "Bodyguard" zu verlassen, der alle "unsicheren" Situationen für ihn klärt. Natürlich kann und wird ein Welpe von einem selbstsicheren, erwachsenen Hund lernen und gerade die Spaziergänge mit seinem Kumpel besonders geniessen, aber macht bitte nicht den Fehler, die beiden niemals zu trennen und jedem Hund nicht mal seine ungeteilte Aufmerksamkeit und "Einzelstunden" zu gönnen.

Habe das mal wieder in meiner Bekanntschaft gesehen: Herdenschutzhund zu einem Althund dazugepackt und der Senior hat immer alles geregelt. Der nun erwachsene HSH ist dadurch fast zwangsläufig sozial unsicher (und unberechenbar) geworden. Unglücklicherweise ist sein "Chef" nun so alt und krank, dass er ihn nicht mehr auf seinen Spaziergängen begleiten kann. Es kam, wie es kommen musste: der HSH hat eine Situation falsch eingeschätzt und hat einen anderen Rüden attackiert ... dass dieser den Angriff überlebt hat, war reines Glück. :(

Ähm... nicht dass das jetzt so aufgefasst wird, als ob so was immer der Fall sein muss. ;) Betrachtet das bitte nur als warnendes Extrembeispiel.

Grüßlies, Grazi

Carolina
28.06.2006, 10:34
Mein Hermann wurde auch als Welpe zu zwei Althunden gesetzt und
ist trotzdem ein selbstsicherer Hund geworden ohne sich die Macken der "Alten" abzuschaun. :) Auch bin ich immer mit allen Hunden
gelaufen und habe keine schlechten Erfahrungen mit der Erziehung von Hermann gemacht.
LG, Caro

Bonsai
28.06.2006, 11:00
Hallo Caro, das ist aber eher die Ausnahme... läßt man den Welpen keine Einzel- und Eigenerfahrungen machen, bleibt er vom Kopf her meistens "klein und unsicher". Klaro, wir gehen auch fast immer mit beiden zusammen spazieren, ist im Alltag meist auch gar nicht anders machbar. Aber nachdem uns diese Unsicherheit bei Halvar aufgefallen ist, achten wir darauf, dass beide auch Hundekontakte, Spaziergänge, Stadtgänge, Hundeausstellungen usw. ohne den anderen machen. Halvar ist ja erst 17 Monate alt, wir hoffen schon, dass er noch selbständiger wird und sich nicht nur MIT Bonsai wohl fühlt.
Und was das Macken annehmen betrifft... Bonsai übernimmt die Macken von dem "Kleinen" wie z.B. Tapeten anknabbern, Teppichbrücken per "Reißverfahren" verkleinern, Holzrahmen zerbeißen... :boese5:

Carolina
28.06.2006, 11:36
Hallo Biggi

Ich weiß nicht ob Hermann eine Ausnahme ist, weil bei uns zu Hause auch immer die Kleinen zu den Großen kamen und es gab nie diese schlechten Erfahrungen. In meinem Bekanntenkreis ist es nicht anders, meine Freundin hat immer Boxer und holt auch zu den Alten ihre Welpen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass dann auf dem Hundeplatz die Alten nicht dabei sind und dort der „Kleine“ auf sich gestellt ist, keine Ahnung. Ich kenne viele Leute die Rudelhaltung haben und Welpen dazu kommen, aber auch dort sind mir solche Probleme nicht bekannt.

Mag vielleicht an der Erziehung liegen, ich hatte teilweise 5 Hunde und jedes Alter war dabei und alle waren bunt zusammen gewürfelt, d. h. aufgelesen oder aus Tierheimen. Aber ich habe alle Hunde erzogen und Möbel anknabbern hätte ich auch bei den Alten nicht durchgehen lassen. Meine Tiere können sich alle frei im Haus bewegen und ich bin leidenschaftliche Antiquitätensammlerin, aber ich muss mir wirklich keine Gedanken machen, dass da mal was angeknabbert wird. Genau so verhält es sich beim Gassi, ich konnte mit allen Hunden gehen, weil auch die Alten gut erzogen waren und es für einen Welpen nichts schlechtes zum abschauen gab.

Ich denke, viele Leute deuten die Macken ihrer Hunde auch falsch und überhaupt wird viel darauf geschoben, was der Hund sich wo anders abgeschaut hätte. Mir wurde letztens erzählt, dass ein Bullmastiff Rüde jetzt nach dem Pinkeln anfängt zu scharren, weil er sich das von der Hündin abgeschaut hätte ;o) Aber dieser Rüde ist im besten Alter und fängt jetzt an zu scharren, weil er sein Revier absteckt und nicht weil er sich das von der alten Hündin abgeschaut hat.

LG, Caro

bulldog spike
28.06.2006, 12:31
Also wir haben letztes Jahr zu einer 10 Jahre alten Hündin noch ein Bullmastiffwelpen dazugeholt. Es war die beste Entscheidung die wir treffen konnten, denn meine Spike ist danach nochmal richtig aufgeblüht. Sie hat von Anfang an die Kleine betütelt, aber auch in ihre Schranken gewiesen. Mittlerweile kann Spike unter Wanda durchlaufen( so die Größenverhältnisse), aber der Boss ist immer noch Spike. Und was die Angewohnheiten des Althundes anbelangt, hat Wanda ganz ihren eigenen Stil entwickelt und sich nicht unbedingt Schlechtes wie auch Gutes abgeschaut. Man sollte halt nur darauf achten, dass man den Althund nicht zu sehr zurücksetzt was die Aufmerksamkeit anbelangt. Auch gibt es bei uns immer erst das Fressen für Spike und wenn Spike an der Schüssel ist darf Wanda an ihre gehen.
Also dann viel Glück für die Zeit wenn Euer Neuzugang da ist. :lach3:

Bonsai
28.06.2006, 17:18
Hallo Caro, also sorry, wenn ich mal ein wenig "lachen" muss :sorry: , aber diese Macken wie in meinem letzten posting genannten Beispiele, haben absolut nichts mit "falscher" Erziehung zu tun...... wir haben immer zwei Hunde gehabt und diverse Rassen, Nothunde, Tierheimhunde und bei Halvar traten diese Probleme zum erstan Mal auf (ist allerdings aber auch unser erster Welpe). Wir haben entsetzlich viele Methoden ausprobiert und angewandt, um diesem Treiben ein Ende zu bereiten, wir haben sogar eine Tiertherapeutin zu Hause gehabt, aber nichts hat wirklich geholfen. Seit ca. sechs Wochen haben wir Ruhe und inzwischen sind sich alle einig, dass diese Zerstörungswut bei Halvar zum einen mit dem Alter und zum anderen mit Protest gegen das stundenweise Alleinsein verursacht wurde(JA, wir haben Halvar ganz langsam ans Alleinsein gewöhnt, erst minutenweise und dann langsam steigernd und wir haben weder beim Weggehen noch beim Wiederkommen Verabschiedungs- oder Begrüßungsarien hingelegt usw. eben das volle Programm). Wenn jemand zu Hause war, hat es solche Zerstörungswut nicht gegeben, dann haben wir das natürlich auch nicht zugelassen...glaubst du vielleicht, wir stehen daneben und drehen Däumchen??? Aber leider ist es nicht abwendbar, dass ich täglich einem Job nachgehen muss!
Und ich denke auch, dass ein Neuzugang in einem kompletten Rudel wie bei dir etwas ganz anderes ist als bei einem Einzelhund, der einen Welpen "vor die Nase gesetzt" wird!
Und zum Beispiel Boxer: meine Eltern haben früher Boxer gezüchtet und waren in einem Boxerclub: dort gab es eine ältere Hündin, die einen kleinen Rüden dazu bekam. Dieser Rüde wurde von der Hündin von Anfang an quasi unterdrückt und er wurde nie ein selbstbewußter Hund auch nicht, nachdem die HÜndin nicht mehr am Leben war. Anderes Beispiel: ein Boxerrüde (8) bekam einen kleinen Rüden dazu... der alte unterdrückte den Kleinen und als der "Lütte" knapp zwei Jahre war kam es zu einer massiven Beißerei mit schlimmen Verletzungen (äh, da war der alte Rüde 10!!!). Der "Lütte" mußte aus der Familie raus, es ging einfach nicht und auch nachdem er als Einzelhund in sein neues Zuhause kam, war er richtig verhaltensgestört, unsicher und ängstlich. Er hat es NIE abgelegt...
Dies waren wohl nicht alles Fehldeutungen und Fehlverhalten der Halter...
Zu unseren beiden noch einmal: Bonsai kann ohne Halvar stundenlang allein zu Hause bleiben, hat Zugang zu allen Räumen und er hat NIE etwas zerstört. Wenn er jedoch mit Halvar allein war, hat er "mitgemacht". Zum Glück ist die "Zerstörungszeit" vorbei (toi, toi, toi schnell mal auf meinen Holzkopf klopfen!!!)!!!

oska
28.06.2006, 18:54
Also erstmal vielen Dank Euch allen für die netten Antworten und Tipps. Unser Bauchgefühl sagt uns, daß die Asta das gut aufnehmen wird mit dem Kleinen. Sie hat ja auch damals gleich unser 6 wochen altes Tierheimkätzchen "adoptiert" und mit bei sich schlafen lassen (das Kätzchen hat sogar an ihrer Zitze gesaugt). Wir waren heute grad bei dem Kleinen und haben ein Kuscheltier zum Geruch annehmen dortgelassen. Außerdem machen wir es so, daß sich die Beiden, wenn der Kleine noch ein bischen größer ist, dort schon einmal kennen lernen - erstmal durch den Zaun und dann so Stück für Stück. Mit dem Thema einzeln etwas unternehmen haben wir uns auch schon beschäftigt. Wir werden sicher auch getrennt mit beiden Gassi gehen, bzw. auch die beiden unterschiedlich mitnehmen. Mein Mann arbeitet viel auf einem eingezäunten Gelände mit Teichen und Wiese und bei mir in die Praxis darf auch ein Hund mit ins Büro. Im Garten bei uns trennen wir noch einen Hundeauslauf ab, damit die 2 auch mal "auslüften" können :) Auf jeden Fall haben mir Eure vielen positiven Erfahrungen Mut gemacht, daß es eine richtige Entscheidung ist. Ich werde weiter darüber berichten, wie es so voran geht.

zantoboy
28.06.2006, 21:39
Für die alte Hündin wäre es besser gewesen, Ihr hättet Euch ein paar Jahre vorher zum Zweithund entschieden. Als Boxer-Bully-Misch ist zehn Jahre schon ein stattliches Alter und ich befürchte, sie hat nicht mehr die "Nerven" für so einen kleinen Irrwisch und könnte zickig reagieren. Auch wird es ihr körperlich evtl. zu viel werden. Auch wenn sie augenscheinlich noch mal aufblühen wird, solltet Ihr das sehen, dass die alte Dame nicht überfordert wird.

Hallo, dem kann ich so pauschaliert nicht ganz zustimmen. Hatten zu unserem damals 11 Jahre alten Boxer unseren BM-Welpen Zanto geholt (damals 9 Wochen alt). Die erste Woche war unser "Alter" total beleidigt. Danach ging keiner der beiden (bis zum Tod unseres Boxers 8 Monate später) einen Schritt ohne den anderen. Unser "Alter" hat Zanto auch noch ordentlich "miterzogen". Bei uns kann man sagen: Einfach genial die beiden!:lach2: