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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Reh aus Kanal gezogen...


Bensmann
05.12.2014, 20:26
Heute gab es einen Schreck zur Abendstunde, bei unserem Spaziergang haben wir am Mittellandkanal ein junges Reh im Wasser entdeckt.
Das arme Ding konnte nicht aus dem Wasser, weil dort die hohen Spundwände verbaut waren.
Wir haben versucht, dass schwimmende Reh bis an eine flache Stelle zu treiben, was aber auf den letzten Metern an der Entkräftung des Rehs gescheitert ist. Das Reh ist einfach untergegangen...:schreck:
Also schnell Bäuchlings an den Rand gelegt und mit nem beherztem Griff das Hascherl aus dem Kanal gehieft.
Nach einer Odyssee mit Anrufen bei der Polizei (legen sie das Reh an den Rand, dass erholt sich schon wieder...Klar bei 0 Grad, total entkräftet und unterkühlt:() und der Feuerwehr (die sich wirklich Mühe gegeben hat...:ok:) haben wir das Reh zum Revierjäger gebracht, der es nach ner Begutachtung dann leider erlösen musste.
Blöder Start ins Wochenende, wir sind traurig...:(
Gruß von A&C&M

Melanie
06.12.2014, 07:37
Hallo,

das ist ja wirklich keine schöne Situation gewesen. Aber Ihr habt gehandelt und Euch gekümmert, seid nicht einfach weggegangen oder habt nur zu gesehen. Es ist schade um das Reh, bestimmt sogar. Aber Ihr habt versucht es zu retten und das finde ich klasse.

Liebe Grüße
Melli mit Sandor und Dusty

Marti
06.12.2014, 07:49
Ihr habt alles gegeben und das war klasse. Auch wenn man leider nicht immer Erfolg haben kann.

Ps: War gerade etwas geschockt, hatte nämlich "Reh aus Kangal gezogen" gelesen :schreck:

Scotti
06.12.2014, 07:52
Toll von euch. Das hätten sicher nicht viele gemacht. Da drin ertrinken so viele Tiere... furchtbar.

Faltendackelfrauchen
06.12.2014, 10:25
Hallo Ihr drei,

toll, dass ihr dem armen Kerlchen geholfen habt! :ok:

Schade, dass der Jäger das Todesurteil gesprochen hat. Ich glaube, der Tierarzt kann sowas besser beurteilen. Aber da würde man sich dann des Wilderns schuldig machen! Und ob es für das Wildtier sinnvoll gewesen wäre in einer Tierklinik ist halt auch fraglich.

Wieso müssen Menschen solche Todesfallen schaffen? Wäre sicher leicht zu verhindern. Bei uns gibt es eine staatliche Fischzuchtanlage mit Fanggruben zum Abfischen. Dort sterben Jahr für Jahr Hunderte von Kröten, Frösche und Molche jämmerlich im Schlamm... Interessiert niemanden, ebenso die Tiere (Mäuse, Igel), die in die Kanalkörbe an den Straßerändern fallen oder in unzureichend gesicherte Kellerfensterschächte...:traurig:

Bensmann
06.12.2014, 17:15
Irgendwie hat das Ganze einen sehr faden Beigeschmack, man stellt sehr eindeutig fest, dass die Hilfe für Wildtiere ganz schön begrenzt ist...:(

Der Feuerwehrmann am Telefon berichtete auch, dass die Feuerwehr alle Wildtiere aus Notsituationen befreit bzw. Hilfe leistet, aber um das Tier würde sich dann immer der zuständige Jäger kümmern...:mad:
Was das heißt, ist mir seid gestern ziemlich klar...:boese1:

Irgendwie ist die gesamte Situation echt bescheiden, wir denken immer noch darüber nach, was man hätte besser machen können. Allerdings hat Faltendackelfrauchen ganz recht, wenn man das Reh jetzt z. B. ne Nacht auf Stroh gebettet hätte, hätte es dann überlebt oder nur ne Nacht weiter gelitten???

Ach ja, der Vorwurf der Wilderei ist uns bei jeder Stelle gemacht worden, aber in dem Fall war/ist uns das herzlich egal.

Traurige Grüße von A&C&M

Scotti
06.12.2014, 17:25
Spinnen die?

Faltendackelfrauchen
07.12.2014, 09:45
Ach ja, der Vorwurf der Wilderei ist uns bei jeder Stelle gemacht worden, aber in dem Fall war/ist uns das herzlich egal.

Wie bitte?? Wer hat Euch das vorgeworfen?? Die Feuerwehr und die Polizei?? Hää? Wie kommen die drauf?

Jetzt muss ich noch ein grausliges Erlebnis aus meiner Kindheit berichten. Ich war 6 Jahre alt. Auf unser Grundstück hat sich ein Fuchs verirrt, der sehr zahm wirkte. Meine Eltern hatten Angst vor Tollwut, haben das Tier in die Werkstatt gesperrt und die Jäger verständigt. Die kamen und haben das Tier mit einem Knüppel erschlagen! Wie sich herausstellte, hatte der Fuchs natürlich keine Tollwut, war vermutlich eine ausgewilderte Handaufzucht!

Und ein weiteres mit einem vom Auto angefahrenen Reh. Ein Bekannter rief mich an. Ich war vor Ort noch vor der Polizei und dem Jäger. Das Reh war gelähmt, aber bei vollem Bewußtsein. Der Jäger kam (Restalkohol unüberseh- und -riechbar), gab dem Reh ein Pistolen-Schuß ins Genick. Das Reh zappelte noch 5 - 10 Minuten. Aussage Jäger: das seien Reflexe. Aha! 5 - 10 Minuten.

Für mich ist klar, dass ich in solchen Fällen definitiv zum Tierarzt gehen werde, obwohl das vielleicht für das Tier noch stressiger ist. Einfach alles sch.... sowas. Aber diesen "Schlächtern" das Tier überlassen??

Bensmann
07.12.2014, 10:33
Der Vorwurf der Wilderei wurde uns von der Polizei, der Feuerwehr, einer angerufenen Tierklinik und einem Kunden der Jäger ist gemacht.
Wir hatten versucht, dass Reh bei dem o. g. Jäger unterzubringen, da der Mann...
a. selber eine Herde Damwild besitzt
und
b. kurioser Weise sehr tierlieb ist?!?!? (hab ich in der Konstellation so auch noch nicht erlebt!).

Leider konnte man das Reh aber nicht in die bestehende Damwildherde eingliedern (hatten wir gehofft...) und so konnte uns der Jäger auch nur das "Erlösen" anbieten.

Die o. g. Erlebnisse von Faltendackelfrauchen sind (besonders als Kind) ja schon als "Traumatisch" anzusehen, einfach nur schlimm. Irgendwie werde ich das Gefühl auch nicht los, dass Polizei und Jäger ziemlich unter einer Decke stecken, ist wohl so etwas wie "Waffenbrüder" oder so...

Marti
07.12.2014, 10:47
Irgendwie werde ich das Gefühl auch nicht los, dass Polizei und Jäger ziemlich unter einer Decke stecken, ist wohl so etwas wie "Waffenbrüder" oder so...
Naja, Verallgemeinerungen und Pauschalurteile sind aber genausowenig aussagekräftig. Idioten gibt es leider in allen Schichten und Berufsgruppen...

Bensmann
07.12.2014, 10:52
@Marti: Sorry... Du hast natürlich völlig Recht, ist aber auch wirklich ne Emotionale Erfahrung für uns gewesen...:traurig:
Ich denke da kann man schon mal Überreagieren, aber nochmals Sorry dafür.

Grazi
07.12.2014, 13:23
Uff... das ist bitter... aber ich habt wenigstens versucht zu helfen und das arme Tier aus dieser Todesfalle befreit. Das ist wirklich toll.

Umso trauriger ist es, dass man Reh schließlich doch erlösen musste.

Hilfe für Wildtiere ist übrigens wirklich nicht so einfach zu bekommen. Da wird man gerne von Pontius zu Pilatus geschickt und wenn man Pech hat, gerät man ihn einen bösen Verdacht. :hmm:

Als Vega vor ein paar Jahren ein Nutria gepackt hatte, dass offenbar durch einen Autounfall querschnittsgelähmt unterhalb einer Landstraße lag, haben wir auch versucht Hilfe zu bekommen.... den Revierförster haben wir nicht erreicht... die Polizei wollte nichts damit zu tun haben und verwies ans TH oder an die Feuerwehr. Nur: was sollten die tun?

Wir haben dann die Feuerwehr informiert und die haben auch bereitwillig jemanden vorbeigeschickt.

Es hat aber ewig gedauert, weil man uns in der Pampa erst finden musste...und anfassen konnte man das extrem gestresste Tier auch nicht (die Zähne eines erwachsenen Nutrias sind wirklich beeindruckend). Dem armen Feuerwehrmann blieb nichts anderes übrig, als das Viecherl zu erschlagen. Er war kreidebleich und es hat ihn verdammt viel Überwindung gekostet... aber er konnte das Nutria nicht noch länger leiden lassen. :(

Seufzend, Grazi

Marti
07.12.2014, 13:53
Musst dich doch nicht entschuldigen, Bensmann. Kenne nur einige Jäger, die klasse Hundehalter sind und nicht in die Pauschalverurteilungen passen, in die sie gerne gesteckt werden. Idioten gbt es jedoch leider in allen Berufsgruppen...

Wobei ich dich in dem von dir beschriebenen fall natürlich verstehe! :lach4:

Marion
07.12.2014, 22:11
Ihr habt alles getan was für euch möglich war dem kleinen Reh zu helfen !

Und ich wünschte auch daß es noch leben würde.....

Wenn ihr es mit nach Hause genommen hättet, dann hätte es womöglich auch nicht überlebt.
ein Reh ist ein Wiederkäuer, so wie meine Schafe. Und der Pansen sollte möglichst immer in Bewegung sein, also Nahrung haben, sonst steht er still und das bringt meist leider auch den Tod.

So schwach wie es war hätte es womöglich nicht essen können.

Und man muß auch bedenken daß ein Reh sehr unter Schock steht, wenn ihm Menschen so nahe sind. Sie sind sehr menschenscheu. Es wäre vielleicht schon daran gestorben....

Schade daß der Jäger sich keine Mühe mit dem Rehlein gemacht hat, vielleicht hätte er es doch retten können.......aber es wäre nicht einfach gewesen es so unterzubringen daß es den Schock verarbeiten kann, ohne menschliche Nähe, und sich hätte erholen und futtern können.

Aber: ihr habt alles getan was ihr konntet !

Und Wilderei.....ach, das wäre mir auch egal gewesen, wenn es darum geht ein Tier zu retten ! Da sollte mal jemand was sagen !

Jetzt braucht ihr erstmal Zeit und auch das gemeinsame Reden , um das zu verarbeiten.

liebe Grüße
Marion

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