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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rütters letzte Sendung - Prägephase


Meiky
14.10.2013, 19:57
Nach Rütters letzter Sendung bin ich sehr nachdenklich geworden und wollte Euch meine Gedanken dazu mitteilen.

Für alle, die die letzte Folge nicht gesehen haben ein kurzer Abriss der Story: Rütter kümmerte sich um einen verwilderten Hund, einen Labrador, der sich auch nicht mit viel Geduld zähmen oder gar einfangen ließ. Recherchen ergaben, dass er und seine Schwester bei einem Schäfer zur Welt gekommen waren, geworfen von einer Hündin, die offensichtlich vorher als Wurfmaschine missbraucht worden war, bereits trächtig entkam und beim Schäfer Unterschlupf suchte um dort ihre Jungen zu gebären. Die beiden kleinen wuchsen recht frei beim Schäfer auf, wurden jedoch von ihrer Mutter, die auch recht menschenscheu war, dahin erzogen Menschen zu meiden dh bei Annäherung von Menschen gab sie Warnlaute von sich und die Jungen suchten ihr Versteck auf. Der Schäfer behielt die Hündin, die scheu blieb und vermittelte die beiden Welpen. Den Rüden an einen jungen Mann, der diesem weglief und seitdem als verwilderter Hund sein Unwesen treibt und die Hündin an einen Tierkenner, der sie in geschlossenem Gelände halten konnte. Trotz intensivster Bemühungen der ganzen Familie blieb diese Hündin jedoch scheu und lässt sich auch jetzt, nach mehreren Jahren, nur ungern anfassen.

So banal diese Geschichte zunächst scheinen mag beinhaltet sie für mich jedoch eine grausame Wahrheit: intensive Prägungen bleiben praktisch das ganze Leben erhalten - egal wie die Umweltbedingungen sich ändern.

Konkret bedeutet dies, dass die Herkunft eines Welpen letzten Endes über den Rest seines Lebens entscheidet. Mal abgesehen von den Straßenhunden der verschiedenen Länder hin zu Hunden, die aus Großzwingern stammen oder den typischen Vermehrern....was für Hunde bekomme ich da?

Und jetzt ganz konkret auch bei einem kleineren Zwinger: was bekommen dort die Welpen so mit? Ängstlichkeiten, Aggressionen und andere Probleme können mit dieser Brille ganz neu interpretiert werden. Solche Probleme lassen sich dann mit viel Aufwand evtl zwar handeln aber nicht beheben.

Umgekehrt geht es aber auch: ein Hund mit guter Prägung auf den Menschen wird auch bei späteren Entbehrungen und Schwierigkeiten diese positive Grundeinstellung nie ganz verlieren...und da denke ich besonders an bestimmte Tierheimhunde.

Peppi
14.10.2013, 20:20
Schau Dir mal dahingehend Zimen (oder Trumler???) an.

Da wird ein ähnlicher Fall eines Pudels geschildert, der sich trotz mangelnder Prägung in recht kurzer Zeit eingliedert und nahezu alle Defizite aufholt und ganz normal weiterlebt.

:gruebel:

sina
14.10.2013, 23:03
Ich hatte einen Labradormix mit 14 Wochen bekommen. Er war davor 2 Wochen bei Leuten die ihn getreten und geschlagen haben!
Bei uns hatte er ein sehr liebevolles Leben und ist fast 15 Jahre alt geworden.
Aber wenn jemand eine schnelle Bewegung mit dem Fuß gemacht hat zuckte er immer wieder zusammen.

bold-dog
15.10.2013, 09:45
ich denke wenn man beide Welpen als Familienhunde vermittelt hätte, dann wären vielleicht ganz andere Hunde aus ihnen geworden.
Die Hündin die man gesehen hat...das war für mich "Grundstücks-Haltung".
Kann ja im Einzelfall ok sein, will ich jetzt gar nix zu sagen.
- aber wenn die Kleine mit 7 -8 Wochen in eine Familie gekommen wäre, als Wohnungshund, mit Welpenschule und so allem drum und dran....ich bin sicher dann wäre sie heute viel zugänglicher.

Aus Erfahrung mit Tierschutz-Hunden kann ich nur sagen :
wenn sie noch klein sind, je nach Rasse ca. 6-10 Monate kann man noch vieles "ausbessern", ohne grosse Anstrengung.
Es ist auch ein Unterschied, ob die Welpen "nichts" erlebt haben, oder
schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Sind die Hunde älter und haben schon viel schlechtes erlebt,
und es haben sich Ängste aufgebaut, dann brauch es länger und das kann dann nicht mehr jeder Mensch ausbügeln.
Da sollte man sich einen Profi an die Seite nehmen.
Und manchens erlernte Verhalten und/oder Ängste bleibt dann halt doch erhalten.
Aber auch solche überängstlichen Strassenhunde oder Hunde aus solchen Welpen-Fabriken kann man wieder sozialisieren.
Da halte ich es auch mit Ziemen : es gibt diese Prägephasen, ja natürlich, aber anders als Wölfe können Hunde lebenslang lernen.

Peppi
15.10.2013, 09:56
Interessante Aufarbeitung:


http://www.argoatjaeger.com/german/dackel-wiki/praegungsphasen.html


Habe irgendwo sogar unlängts gelesen, dass die Fachwelt von der Annahme der Prägephasen (außerhalb der Hundeforschung) schon wieder abgerückt ist... finde es nicht mehr... :(

salix
15.10.2013, 10:27
ich habe vor einigen jahren mal 2 welpen von einer befreundeten tierschützerin aus ungarn übernommen. sie sollten nur ein paar tage bei mir bleiben ehe sie in´s neue zu hause sollten, daraus wurden etliche wochen weil die leute absprangen.
man hatte die beiden hunde mit 5 wochen neben der totgefahrenen mutter aufgefunden. von anfang an zeichnete sich ab, das die eine sehr passiv war während die andere die mutterrolle übernahm und die kleine bewachte. als sie mit 8 wochen zu mir kamen, zeigte sich bei mir exakt das selbe bild. die helle hündin war aufgeschlossen, neugierig und ein ganz normaler hund während die dunkle hündin sich zu anfang nahezu nicht anfassen liess und nicht von der seite der hellen wich. schon da war klar, das dies kein einfacher hund wird. die helle war recht schnell vermittelt und lebt heute auf einem bauernhof mit viel puplikumsverkehr und ist kompatibel mit allem und jedem. die dunkle hündin aber, blieb noch viele wochen bei mir. wir versuchten so viele positive verknüpfungen zu schaffen wie es irgendwie ging, vollkommen erfolglos. schon mit der 9. woche waren wir in der dogs (also rütters) hundeschule im einzeltraining und die trainer prophezeiten schon da, das das kein gutes ende nehmen wird, da sei zu viel kaputt gegangen in der prägephase.
ich fand irgendwann die passenden leute. sie wurden gründlich aufgeklärt und bekamen den hund nur unter der auflage, das sie die hundeschule weiter besuchen und intensiv mit dem hund arbeiten.
ich habe heute noch kontakt zu "luna". sie ist ein absoluter problemhund wie er im buche steht. zu hause, wo sie sich sicher fühlt alles wunderbar. aber die leute können im grunde keinen besuch einladen, keine spaziergang in ballungsgebieten machen und selbst der sohn kann keine schulkumpels einladen. sie haben mitlerweile ein halbes vermögen in trainer gesteckt, schlussendlich kam von allen der ratschlag den hund einzuschläfern. selbiges gilt für die TÄ die bislang mit dem hund zutun hatten.

diese leute haben wirklich alles ausgeschöpft. sie haben intensiv gearbeitet aber schlussendlich doch nur wege gefunden, die situation einigermassen erträglich zu gestalten. sie lieben luna und würden sie um nichts in der welt einfach so hergeben, aber sie sind auch extrem leidensfähig und passen sich absolut dem hund an.
ich bin davon überzeugt das es fälle gibt, in denen man definzitine in der prägung kaum ausgebügelt bekommt. hängt natürlich sicherlich auch mit dem einzelcharakter des hundes und den gemachten erfahrungen zusammen.

Schnuck-Schnuck
15.10.2013, 11:06
ich bin davon überzeugt das es fälle gibt, in denen man definzitine in der prägung kaum ausgebügelt bekommt. hängt natürlich sicherlich auch mit dem einzelcharakter des hundes und den gemachten erfahrungen zusammen. So sehe ich das auch

Grazi
15.10.2013, 12:02
ich bin davon überzeugt das es fälle gibt, in denen man definzitine in der prägung kaum ausgebügelt bekommt. hängt natürlich sicherlich auch mit dem einzelcharakter des hundes und den gemachten erfahrungen zusammen. Das sehe ich ganz genauso.

Ob es nun wenige bis keine Erfahrungen oder gar schlechte Erlebnisse sind, die Hunde in verschiedenen Phasen ihres Lebens durchmachen: es ist nicht nur eine Sache des Trainings, sondern auch des individuellen Nervenkostüms eines Hundes, das darüber entscheidet, inwieweit bestimmte Defizite ausgebügelt werden können oder nicht.

Mortisha und ihre Schwester Paula haben bis zur 6. Lebenswoche so gut wie nichts kennengelernt, vor allem keine fremden Menschen.

Paula kam mit 8 Wochen in ihre Familie. Morty mit 9 Wochen.
Beide Welpen sind in nicht gerade unerfahrene Hände gekommen.

Trotzdem: Paula war schon immer viel selbstbewusster und (bis zu mehreren extrem schlechten Erfahrungen) absolut unerschrocken.

Mortisha hingegen war total unsicher und ängstlich, schrie wie am Spieß, wenn ihr fremde Menschen zu nahe kamen und zeigte erste Ansätze des "Angstbeissens".

Wir haben massiv daran gearbeitet und Menschen extrem positiv verknüpft. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen und Menschen, die ihr Angst machen... wo sie entweder einfriert oder hysterisch nach vorne geht. Und sie ist mittlerweile 8 Jahre alt.

Gerade eben sind wir durch einen Park gelaufen, wo ein älterer Herr mit einem Regenschirm Äpfel von einem Baum schlug. Seine Gattin stand auf dem Weg und wartete auf ihn.

Für Mortisha eine potentiell "gefährliche" Situation.

Also vorsichtshalber angeleint, fröhlich ins Fuß genommen und flott dran vorbei.... zumindest wollte ich das. Die Dame fragte aber gleich, ob die Kleine Angst habe und beugte sich zu ihr runter.... und Mortisha nahm freundlich Kontakt auf, ließ sich sofort streicheln.

Selbst als der "Schlägertyp" (groß, breit, tiefe Stimme) ankam und seiner Frau die erbeuteten Äpfel reichte, blieb Morty ruhig, guckte ihn neugierig an. Ich ließ sie hin...und sie sprang prompt an ihm hoch, um sich streicheln zu lassen!

Glücklicherweise blieb der Mann total nett und meinte, das sei nicht schlimm. Ich mich natürlich entschuldigt und gesagt, dass es nicht jeder mag, mit nassen Hundepfoten angesprungen zu werden. Da lachte er nur donnernd los "Macht nix. Habe die Hose nur heute morgen frisch angezogen!" :D

Diesmal ist es "gut gegangen".... eine ähnliche Situation kann bei Mortisha aber auch ganz anders ausgehen. Und ich kann nicht sagen, warum, weil ich keinen Auslöser erkennen kann. Vielleicht sieht / riecht meine kleine Motte einfach etwas an Menschen, was ihr gleich sagt: "Oh oh...lieber nicht" oder eben "Ach, die könnten aber nett sein".... oder aber es ist schlicht und ergreifend von ihrer Tagesform abhängig. :35:

Grüßlies, Grazi

Nicol
15.10.2013, 20:10
Unser Zwergpinscher hat in seiner Jugend bis zum 11.Lebensjahr kaum wirklich Gutes erlebt: Offensichtlich geprügelt, getreten und mehr aus dem Müll als geziehlt gut ernährt. Und das ganze in einer westdeutschen Kleinstadt!
(Ich bekomme immer noch die Wut, wenn mich Passanten auf diesen Hund ansprechen:"Das ist doch der ... von dem...!"- und keiner hat etwas unternommen...!)
Er gehört jetzt seit einem Jahr zu unserem Rudel und hat viel nachgeholt und gelernt!
Und wir auch! Offensichtlich kann auch ein älterer Hund mit schwieriger Prägephase durch positive Einflüsse viel erreichen- mehr als wir ihm zugetraut haben!
Gut gemacht, kleiner Willi!

Meiky
15.10.2013, 20:51
Natürlich kann ein Hund sein Leben lang lernen und es kommt auch auf den Einzelcharakter an und es gibt jede Menge Ausnahmen...klar. Für mich das besondere dabei ist jedoch die Erkenntnis -sofern ich nicht falsch liege - dass die Zeit bei Züchter in den allermeisten Fällen für den Hund prägend für den Rest seines Lebens ist. Punkt.

Dabei geht es mir gar nicht so um die Extremfälle wie deutliche Angst vor Menschen, Männern oder ähnliches, sondern um die eher beiläufigen, kleineren wie zB Thema Sicherheit, Platz, Kinder, Maschinen, reizarme/reizvolle Umgebung, lautes/leises zuhause ua

Der Züchter, der sich wirklich reinhängt übergibt der Familie letztlich einen wirklichen Familienhund...der dies auch bleibt. Damit bekommt für mich zumindest - nachdem ich mehrere Hunde aus verschiedensten Zwingern großziehen konnte - diese Dimension eine viel höheren Stellenwert als vorher gedacht.

Hauptsache die Verpaarung stimmt, den Rest bekomme ich schon hin....das war aus meiner Sicht eben falsch gedacht. Nicht alles ist machbar, korrigierbar..in Ordnung zu bringen...ist es eben nicht....die meisten Defizite bleiben - oft unterschwellig - erhalten

Und ich weiß jetzt warum!!!!!!!!!!!

Peppi
16.10.2013, 05:02
Ja, das war klar was Du meinst.

Ist aber pauschal leider nicht zu 100% richtig weil diverse Gegenbeispiele existieren.

Was für mich im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass man dieses Kriterium bei der Züchterwahl vernachlässigen sollte!

In der Humanforschung geht man derweil wohl davon aus, dass so etwas wie "Temperament" sehr wohl in die Wiege gelegt wird und nicht erlernt ist.

:lach4:

Grazi
16.10.2013, 06:54
Der Züchter, der sich wirklich reinhängt übergibt der Familie letztlich einen wirklichen Familienhund...der dies auch bleibt. So groß die Verantwortung eines Züchters auch ist (und er legt ganz sicher den Grundstein für die spätere Entwicklung des Hundes).... so muss ich dir hier jedoch widersprechen: wenn ein Hund in den nächsten Prägephasen traumatisiert wird, vernachlässigt wird, sich selbst überlassen wird, vielleicht sogar verwildert, so wird er mit ziemlicher Sicherheit kein easy peasy-Familienhund bleiben, den mal nur mal ein bisschen auf Vordermann bringen muss, damit er wieder rundum alltagstauglich wird.

Und um mal nicht bei den Extrembeispielen zu bleiben: Wer kennt nicht die super geprägten und sozialisierten Welpen, die in Familien kommen, wo man die Erziehung schleifen lässt... (weil: man hat ja quasi schon den perfekten Familienhund gekauft :hmm:)... die schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden (oder Kindern) machen und die Leute sind nicht in der Lage, das wieder hinzukriegen ... etc. pp.? Hast du eigentlich eine Ahnung, wieviele dieser vermeintlichen Familienhunde in Tierheimen sitzen?

Ich jedenfalls denke, man macht es sich zu leicht, wenn man die alleinige Verantwortung für die spätere Entwicklung in die Hand des "Welpenproduzenten" legt.

Grüßlies, Grazi

Scotti
16.10.2013, 07:00
Ich jedenfalls denke, man macht es sich zu leicht, wenn man die alleinige Verantwortung für die spätere Entwicklung in die Hand des "Welpenproduzenten" legt.

Grüßlies, Grazi

Sehe ich auch so.
Mein Hund ist ein TS Vermehrer Hund, wir waren schon mit 1,5 Jahren die 3. Besitzer, er ist aber total sozial kompetent und einfach easy in der Haltung.
Ich kenne aber Hunde die vom tollen Züchter sind, die das genaue Gegenteil geworden sind, obwohl die Besitzer sie in besten Absichten gehalten und erzogen haben.
Genauso kenne ich Hunde vom Vermehrer die bekloppt sind.
Man macht es sich zu einfach wenn man es pauschalisiert.

Louis&Coco
16.10.2013, 10:29
Nach Rütters letzter Sendung bin ich sehr nachdenklich geworden und wollte Euch meine Gedanken dazu mitteilen.

Für alle, die die letzte Folge nicht gesehen haben ein kurzer Abriss der Story: Rütter kümmerte sich um einen verwilderten Hund, einen Labrador, der sich auch nicht mit viel Geduld zähmen oder gar einfangen ließ. Recherchen ergaben, dass er und seine Schwester bei einem Schäfer zur Welt gekommen waren, geworfen von einer Hündin, die offensichtlich vorher als Wurfmaschine missbraucht worden war, bereits trächtig entkam und beim Schäfer Unterschlupf suchte um dort ihre Jungen zu gebären. Die beiden kleinen wuchsen recht frei beim Schäfer auf, wurden jedoch von ihrer Mutter, die auch recht menschenscheu war, dahin erzogen Menschen zu meiden dh bei Annäherung von Menschen gab sie Warnlaute von sich und die Jungen suchten ihr Versteck auf. Der Schäfer behielt die Hündin, die scheu blieb und vermittelte die beiden Welpen. Den Rüden an einen jungen Mann, der diesem weglief und seitdem als verwilderter Hund sein Unwesen treibt und die Hündin an einen Tierkenner, der sie in geschlossenem Gelände halten konnte. Trotz intensivster Bemühungen der ganzen Familie blieb diese Hündin jedoch scheu und lässt sich auch jetzt, nach mehreren Jahren, nur ungern anfassen.


Konkret bedeutet dies, dass die Herkunft eines Welpen letzten Endes über den Rest seines Lebens entscheidet. Mal abgesehen von den Straßenhunden der verschiedenen Länder hin zu Hunden, die aus Großzwingern stammen oder den typischen Vermehrern....was für Hunde bekomme ich da?
.


Soviel ich gesehen habe, gilt das mit dem ungern anfassen "lediglich" für Fremde. Der Halter der Hündin sagte sogar normalerweise liebt sie es von ihm gestreichelt zu werden.
Es wurde auch nicht gesagt, sie würde nur in dem Hof gehalten-ganz im Gegenteil, sie gehen mit ihr sogar spazieren wurde am Schluß erwähnt.
Also von reiner "Grundstücks-Haltung" (wie bold dog meinte) war eigentlich nicht die Rede...:35:
Der geschlossene Hof hätte dabei geholfen sie einigermaßen zugänglich zu machen, hieß es.



Zum Thema Straßenhunde:
Ständig hört man Negatives von "Straßenhunden" aus dem Ausland im TS-mittlerweile gibt es ja eine ziemlich große Klufft zwischen vielen Tierschützern.
Viele sind dagegen Hunde aus dem Ausland zu "retten" und meist kommt ganz vorne auf ihrer Contra-Liste das Argument mit den nicht ausreichend sozialisierten Straßenhunden...das mag auch auf viele zutreffen-keine Frage, aber es wird schlicht darauf vergessen, dass sehr viele Straßenhunde einfach ausgesetzte ehemalige "Familienhunde" sind.

Deshalb kann man nicht generell sagen Straßenhunde wären nicht genügend auf den Menschen geprägt/sozialisiert...:lach4:





Was -in Bezug auf Züchter- genauso wichtig ist wie eine gute Aufzucht und Sozialisierung in den ersten Wochen sind m.E die Gene.
Wenn ich mit einem von natur aus unsicherem Hund züchte (Unsicherheit ist nicht immer gleich zu setzen mit erworbener Angst!), darf ich mich nicht wundern wenn ein Teil der Welpen oder sogar alle auch eine gewisse Unsicherheit in sich tragen. Treffen solche Gene auf schlechte Aufzucht, Haltung etc. ist die "Katastrophe" leider vorprogrammiert...:(

Meiky
16.10.2013, 21:50
Über die interessanten Beiträge von anderen zu diesem Thema habe ich mich sehr gefreut, da es auch mir geholfen hat, die Problematik von verschiedenen Seiten aus zu betrachten.

Für mich geht es bei solchen Themen gerade um die Pauschalierung und nicht um die Einzelfälle/Ausnahmen. Mit anderen Worten. welche Schlüsse kann/soll man aus diesen Erfahrungen ziehen? Natürlich sehe ich hier auch gewisse Parallelen zum Menschen ...

Für mich ist hier der Beitrag von Agnes sehr valide, die auf die Bedeutung der Mutterhündin hinweist - in genetischer Hinsicht und in ihrer Funktion als Vorbild.
Schiebt man diese beiden Einflussfaktoren zusammen: Mutterhündin (wo kommt sie her, wie war ihre Aufzucht??) und Umfeld der Aufzucht, so hat man als Welpenkäufer eigentlich die wichtigsten Parameter zusammen.

Natürlich kann man dann noch alles mögliche Falsch machen...kaputtmachen geht immer leichter als solide aufbauen....davon leben dann Rütters & Co

Und zu den Straßenhunden: wenn es irgendwie einen Test gäbe zu unterscheiden - in Familie/bei Menschen aufgewachsen oder wild - wäre sicher auch für die Vermittlung viel getan. In diesem Zusammenhang gab es ja mal eine Sendung, wo sich Rütter auch mit solchen Hunden beschäftigt hat und klar aufzeigen konnte, dass der scheinbar unzugängliche Hund durchaus eine gut sozialisierte Grundlage hatte....

Marti
16.10.2013, 22:40
Interessantes Thema: Ich denke, dass sowohl die Genetik, als auch die Prägephase und die Erfahrungen, die ein Welpe/ junger Hund sammelt, zu seiner Entwicklung beitragen.
Bei einem durchschittlich veranlagtem Hund, haben beide Teile in etwa gleich großen Einfluss.
Allerdings gibt es eben auch (selten) genetisch so selbstbewusste Hunde, die ohne Sozialisierung trotzdem zu absolut wesensfesten Begleitern heranwachsen können. So habe ich eine Hündin gekannt, die das erste halbe Jahr ausschließlich im Zwinger gelebt hat und nur zweimal am Tag gefüttert wurde.Sonst kein kontakt zu Menschen und isoliert von der Außenwelt. Nachdem Freunde sie gekauft hatten, hat sie trotzdem niemals Unsicherheiten gezeigt und sich so Verhalten, als hätte sie eine perfekte Sozialisierung genossen.
Auf der anderen Seite sieht man oft Hunde, die trotz vorbildlicher Aufzucht und höchstem Engagement der Züchter nie zu 100 Prozent selbstbewusst werden und immer mehr oder weniger unsicher bleiben.

Peppi
17.10.2013, 05:47
Über die interessanten Beiträge von anderen zu diesem Thema habe ich mich sehr gefreut, da es auch mir geholfen hat, die Problematik von verschiedenen Seiten aus zu betrachten.

Für mich geht es bei solchen Themen gerade um die Pauschalierung und nicht um die Einzelfälle/Ausnahmen. Mit anderen Worten. welche Schlüsse kann/soll man aus diesen Erfahrungen ziehen? Natürlich sehe ich hier auch gewisse Parallelen zum Menschen ...

Für mich ist hier der Beitrag von Agnes sehr valide, die auf die Bedeutung der Mutterhündin hinweist - in genetischer Hinsicht und in ihrer Funktion als Vorbild.
Schiebt man diese beiden Einflussfaktoren zusammen: Mutterhündin (wo kommt sie her, wie war ihre Aufzucht??) und Umfeld der Aufzucht, so hat man als Welpenkäufer eigentlich die wichtigsten Parameter zusammen.

Dann solltest Du Dich aber mal fragen, wo der tiefere Sinn solcher Pauschlierungen liegt? Das immer mehr Leute denken, wenn Du auf Aufzucht und Mutterhündin achtest, ist alles in Butter?

Sorry, aber das klingt sehr nach selektivem Lesen und das Du das was nicht zu Deiner Eingangsthese passt, durch vermehrtes Wiederholen unter den Teppich kehren möchtest.

So liest es sich für mich zumindest. :sorry:

Das nächste schlüssige Argument sind für mich die teilweise völlig unterschiedlichen "Charaktäre" bei exact gleichen Aufzuchtbedingungen... :gruebel:

Da würde mich auch interessieren, wie Du das damit erklärst.

Tipsy
17.10.2013, 09:12
So groß die Verantwortung eines Züchters auch ist (und er legt ganz sicher den Grundstein für die spätere Entwicklung des Hundes).... so muss ich dir hier jedoch widersprechen: wenn ein Hund in den nächsten Prägephasen traumatisiert wird, vernachlässigt wird, sich selbst überlassen wird, vielleicht sogar verwildert, so wird er mit ziemlicher Sicherheit kein easy peasy-Familienhund bleiben, den mal nur mal ein bisschen auf Vordermann bringen muss, damit er wieder rundum alltagstauglich wird.

Und um mal nicht bei den Extrembeispielen zu bleiben: Wer kennt nicht die super geprägten und sozialisierten Welpen, die in Familien kommen, wo man die Erziehung schleifen lässt... (weil: man hat ja quasi schon den perfekten Familienhund gekauft :hmm:)... die schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden (oder Kindern) machen und die Leute sind nicht in der Lage, das wieder hinzukriegen ... etc. pp.? Hast du eigentlich eine Ahnung, wieviele dieser vermeintlichen Familienhunde in Tierheimen sitzen?

Ich jedenfalls denke, man macht es sich zu leicht, wenn man die alleinige Verantwortung für die spätere Entwicklung in die Hand des "Welpenproduzenten" legt.

Grüßlies, Grazi

Ich sehe das auch so ähnlich.

Gerade wenn man erwachsene Hunde aus dem Tierschutz hat, deren Vorgeschichte man nicht wirklich kennt, fragt man sich natürlich öfters, wie deren Leben als Welpe und Junghund war.
Noch mehr, wenn sie gewisse Defizite haben.

Meinen Großen hab ich mit 3 Jahren als mind. 5 Besitzer übernommen. Obwohl ich definitiv weiss, dass er beim Vorvorbesitzer nicht nett behandelt wurde liebte er Menschen von Anfang an über alles.
Dafür waren verschiedene Untergründe, Treppen, Autofahren, usw. ein sehr großes Problem.
Bei ihm vermute ich einfach mal, dass ihm nix Schlimmes in den ersten Wochen passiert ist, er aber auch nix kennengelernt hat.

Der Kleine kam vor zwei Jahren mit ca. einem Jahr aus Nitra zu mir. Er hatte Panik vor Menschen, Angst vor Geräuschen und Dingen - dafür aber überhaupt kein Problem bei verschiedenen Untergründen, Treppen & diversesten Geräten am Hundeplatz.
Nachdem die Angst vor fremden Menschen (sobald er sie regelmässig sieht und kennt ist es kein Problem mehr) so verdammt tief sitzt, denke ich schon, dass da in der Anfangszeit was enorm schief gegangen ist.
Im Gegensatz dazu sind Geräusche und seltsame Dinge heute überhaupt kein Problem mehr. Das dürfte er wirklich einfach nur nicht gekannt haben.

Wenn man die Kindheit nicht kennt, kann man eh nur spekulieren. Andererseits muss es auch irgendwie egal sein - weil man lebt ja im jetzt mit diesem Hund.

Und wie @Grazi schon geschrieben hatte.....es gibt soooo viele wirklich toll aufgezogene und gut sozialisierte Welpen, welche später problematische Hunde werden.

Aufzucht und Prägung ist sicher wichtig, aber genauso wichtig ist halt auch, was ich draus mache.
Und ich kenn mittlerweile einige Hunde, welche zwar sehr gute genetische Veranlagungen haben, jedoch eigentlich sehr reizarm aufgezogen wurden - trotzdem wurden sie supertolle Hunde ohne jedliche Ängste und Schäden.

Andererseits gibt´s die Welpen und Junghunde, die sowohl beim Züchter als auch beim Hundebesitzer so derart vielen Reizen ausgeliefert werden ("der Hund muss in sovielen Tagen alles kennengelernt haben, was er jemals in seinem Leben kennen lernen könnte"), dass sie von heute auf morgen plötzlich nur mehr ängstlich oder aggressiv sind, weil einfach nur mehr gestresst.

Ich arbeite ja sehr viel im Welpen- und Junghundebereich und irgendwie bin ich mittlerweile zu dem Schluß gekommen, dass oft wenig bis gar keine Erfahrungen besser sind, als zuviel und vor allem negative Erfahrung (welche aber damals beim Machen oft von keinem der anwesenden Menschen als negativ wahrgenommen wurde).

Meiky
17.10.2013, 21:27
Peppi...ich bleibe bei meiner These...und es geht hier nicht darum ob ein Hund ein toller Familienhund wird oder nicht ...sondern...wie das Thema schon sagt ...es geht um Prägungen..

Und die bisherigen Beiträge ermöglichen eine Differenzierung der ursprünglichen These...das ist interessant für mich und gibt die Möglichkeit anhand einiger Parameter tendenzielle Zukunftsaussagen zu treffen...die natürlich nicht 100% stimmen müssen aber eine hohe Wahrscheinlichkeit dazu beinhalten..

Dank Tipsys Beitrag haben wir jetzt einen weiteren Parameter nach Mutterhündin + Züchterumfeld nun auch die Art und Weise der Prägung. Thema "weniger ist mehr"

Und hier, beim dritten Punkt, sind wir mE tatsächlich bei den Einzelfällen/Temperamenten. Was für den einen ok ist mag für den anderen schon zuviel sein. Was der eine locker wegsteckt bleibt beim anderen evtl unterschwellig traumatisch.

Fordern, aber nicht überfordern...bzw besser unterfordern als überfordern...

Das ist doch insgesamt schon eine ganze Menge!

Als Züchter sollte ich mich also fragen: Besitzt die vorgesehene Zuchthündin nicht nur die genetisch guten Voraussetzungen, sondern ist sie auch vom Temperament und Wesen vorbildhaft ? (Achtung: es geht nicht nur um Familienhunde, sondern auch um Jagdhunde, Hütehunde, Schutzhunde etcpp)

Dann zur Aufzucht: besitze ich als Züchter in den ersten Wochen bis zur Abgabe die nötige Zeit und Geduld, gezielt die Prägungen zu setzen, die sinnvoll und notwendig sind? Beim Jagdhund oder HSH sind dies sicher andere als beim vorgesehenen Familienhund.

Und zuletzt: bin ich in der Lage (sagen wir mal lieber willens...), die verschiedenen Temperamente im Wurf zu erkennen und an die dazu passenden Besitzer zu vermitteln. Den dominantesten nicht unbedingt an das Softiepäärchen usw

Es bleibt für mich dabei: am Züchter hängt zunächst fast alles.

Peppi
17.10.2013, 21:43
Stichwort Epigenetik! ;)

Rocky
25.10.2013, 20:52
... sachlich diskutiert.

Meinen Senf dazu braucht es nicht wirklich, ich meine eigentlich nur "sowohl, als auch".

Es war und ist aber toll, die verschiedenen Argumentationen zu lesen, Meiky bleib uns noch etwas erhalten :D

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