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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wieviel Behandlung beim Haustier?


Ute
08.03.2013, 10:21
Mich würde mal interessieren, wieviele Eingriffe ihr bei euren Hunden zulasst, bzw. ihnen zumutet. An welchem Punkt sagt, ihr dass es reicht oder nicht mehr weiter macht.
Die Tiermedizin hinkt ja der Humanmedizin nur geringfügig hinterher. Es gibt ja kaum eine Erkrankung, wo nicht irgendetwas getan werden kann. Natürlich besteht bei den grossen Tierkliniken und Unis das Interesse, zu erforschen, auszuprobieren und natürlich auch Geld zu verdienen.
Ist es für euch in Ordnung, eurem Hund sämtliche Behandlungsmöglichkeiten zukommen zu lassen, egal wie hart der Weg zur Besserung (eine Garantie gibt es natürlich nie) ist?
Ich meine für mich einen Weg gefunden zu haben. Wie sieht es bei euch aus?

Doc_S
08.03.2013, 10:27
Ich trau mir hier keine pauschale Aussage zu.
Für mich wird/ würde das eine klare Einzelfallentscheidung.
Gerade in unserer Gesellschaft, wo das Haustier ja auch Familienmitglied ist.
Ich möchte an so etwas gar nicht denken.
Aber wenn ich die wöchentlichen Besuche bei Oma im Altenheim mache denke ich mir bei manchem Bewohner manchmal, ob es nicht besser wäre, tiermedizinische Praktiken auch auf die Humanmedizin zu übertragen.

bx-junkie
08.03.2013, 10:29
Ich würde alles ausnutzen was an Möglichkeiten vorhanden wäre um meinem Tier zu helfen...allerdings würde ich nach besten Wissen und Gewissen versuchen abzuwägen wo die Qual beginnt und die Hilfe endet.
Ich habe mal gesagt, das ich niemals meinem Hund eine Chemotherapie zumuten würde, da ich aber nun weiß das die Nebenwirkungen beim Hund anders aussehen als beim Menschen, würde ich es bestimmt in Anspruch nehmen, allerdings nicht um ein halbes Jahr "rauszuschinden" es müßte schon eine hohe Chance auf Heilung bzw. Remission geben...

Ute
08.03.2013, 11:06
..... Aber wenn ich die wöchentlichen Besuche bei Oma im Altenheim mache denke ich mir bei manchem Bewohner manchmal, ob es nicht besser wäre, tiermedizinische Praktiken auch auf die Humanmedizin zu übertragen.

:ok: das sehe ich auch so

Ute
08.03.2013, 11:15
@ Claudia: das Problem ist ja, dass dir keiner sagen kann wie die Chance auf Heilung bzw. Remission ist (Statistiken halt).
Ich habe recht lange auf der kinderonkologischen Station gearbeitet, viel für mich und mein Leben gelernt. Viele Eltern haben mir gesagt, dass sie nicht eingewilligt hätten, wenn sie vorher gewusst hätten was auf ihr Kind und sie zu kommt.
Kann es vielleicht auch daran liegen, dass wir in unserer Gesellschaft immer ganz überrascht sind wenn jemand stirbt und dass das eigentlich gar nicht sein kann/darf ?

Sanny
08.03.2013, 11:23
Ich finde das kann man so pauschal gar nicht sagen. Es kommt immer auf die Umstände, den Hund und eben das ganze drum herum an. Mal als Beispiel ein 3-beiniger Hund: einen Molosser würde ich das nicht antun wollen. Wogegen ein kleiner leichter Hund durchaus damit zurecht kommen kann. Ein Risiko hast du bei jedem Eingriff egal wie schwer dieser ist. Das muss uns allen leider immer bewusst sein. Aber ich würde daraus immer eine Einzelfallentschiedung machen.

Peppi
08.03.2013, 11:26
Aber wenn ich die wöchentlichen Besuche bei Oma im Altenheim mache denke ich mir bei manchem Bewohner manchmal, ob es nicht besser wäre, tiermedizinische Praktiken auch auf die Humanmedizin zu übertragen.

Im Philosophie Untericht hatten wir mal die Definition, des menschlichen Lebenswillens, bzw. das was Hoffnung definiert:

"Es kann einem nie so schlecht gehen, dass man denkt, es geht nicht mehr schlimmer."

Das traf zumindest auf meine sehr begrenzte Praxiserfahrung zu 100% zu.


Für die Eingangsfrage: "Immer Einzelfallbetrachtung".

Der Schulle sollte besser keinen Schnupfen bekommen... :D

Lucy
08.03.2013, 12:13
Ich würde alles ausnutzen was an Möglichkeiten vorhanden wäre um meinem Tier zu helfen...allerdings würde ich nach besten Wissen und Gewissen versuchen abzuwägen wo die Qual beginnt und die Hilfe endet.


genauso sehe ich das auch :ok:

Sari
08.03.2013, 12:44
Für mich ebenso eine Einzelfallentscheidung.
Dazu würde ich noch das Alter berücksichtigen.

Renate + Jorden
08.03.2013, 12:49
Wir haben immer gesagt wir quälen kein Tier nur damit wir es noch haben können. Aber wir haben auch schon Dinge zugelassen die der Verstand ablehnen würde. Wir haben 2x die Magendrehung operieren lassen mit einer Quote von 20 % einmal mit Erfolg und einmal ohne. Zuerst war die ohne Erfolg und wir hatten uns geschworen es nie wieder dann zu versuchen wenn es noch mal passieren würde. Doch wie der Tag x kam und die Entscheidung getroffen werden musste, haben wir wieder für OP entschieden.
Wir haben aber auch einmal entschieden,es reicht an Schmerzen, nun hat er genug gelitten. Da war ein angeblicher Superarzt für Schäferhunde, wir fuhren fast 100 km zu ihm und er uns immer wieder Hoffung gemacht und uns das Geld aus der Tasche gezogen, unserem Hund ging es immer schlechter und er schrie vor Schmerzen ( er hatte Lähmungsschübe durch Spondylose ) Dann, mein Hund schrie im Hintergrund rief ich ihn an und sage es ginge nicht mehr. Er darauf, ja wenn sie nicht mehr warten können, dann kommen sie vorbei. So mies habe ich mich mein Leben lang noch nicht gefühlt. Wenn ich nicht mehr warten könnte. Er brüllte, Autos hielten neben uns an und fragten ob er angefahren worden wäre. Es war nicht einmal es 6-7 X am Tag das zusammbrach. Er konnte sich nicht mehr lösen, es war grauenvoll. Der ***** hat ihn uns auch nicht eingeschläfert sondern ein junger Arzt und der sage uns, wir schläfern 3-4 X die Woche DSH´s an Spondylose ein, gerade wenn die Wirbel so weit innen zugekalkt sind. Ein Schlag ins Gesicht, der DR wusste es und hat uns extra nur noch abgezockt. Heute würde ich nicht mehr so lange warten, doch wer kann sagen was am Tag Y noch kommt.
LG
Renate

TaMa
08.03.2013, 13:03
Das kann man gar nicht so beantworten. ..natürlich würde ich alles tun für Ronja..doch muss ich auch wissen wann Stop ist ..leiden soll sie auch nicht. GsD hatte ich damals einen klasse TA., der mir bei meiner alten Hündin gesagt hat das es besser wäre sie zu erlösen bevor sie wirklich leidet.. (Lymphdruesenkrebs + blind)...

Tipsy
08.03.2013, 13:19
Ich glaube auch, dass man das so pauschal nicht sagen kann.
Kommt immer auf den Einzelfall und die Situation an.

Vor einigen Jahren, hätte ich ganz bestimmt gesagt "Nie im Leben bekommt einer meiner Hunde eine Chemotherapie". Die meisten Menschen assoziieren Chemotherapie mit fatalen Nebenwirkungen.
Dann hatte mein Schnuffl damals plötzlich Krebs.
Wir haben uns genau erkundigt, Meinungen angehört und abgewogen.
Und uns dann für eine Chemotherapie entschieden.
Nebenwirkungen hatte er gar keine.
Im Gegenteil, wenn er die Chemo bekam, lebte er richtig auf - er hat eigentlich ganz normal weitergelebt, hatte so gut wie keine Einschränkungen, obwohl er bereits relativ alt war (13 Jahre).
Wir hatten noch ein wunderschönes halbes Jahr und ich hab es nie auch nur eine einzige Sekunde bereut.

Vorrangig sollte natürlich immer das Wohl des Tieres sein. Aber so traurig es auch oft ist, manchmal muss auch der finanzielle Aspekt beachtet werden. Selbst wenn man viel Geld genau für solche Sachen auf der Seite hat - es kann trotzdem oft nicht genug sein. Als sich mein Pferd damals schwer verletzte und einige Monate in Kliniken stand und operiert wurde, hätte ich mir um dieses Geld schon einen tollen Mittelklassewagen kaufen können.;)

bx-junkie
08.03.2013, 14:04
@ Claudia: das Problem ist ja, dass dir keiner sagen kann wie die Chance auf Heilung bzw. Remission ist (Statistiken halt).
Ich habe recht lange auf der kinderonkologischen Station gearbeitet, viel für mich und mein Leben gelernt. Viele Eltern haben mir gesagt, dass sie nicht eingewilligt hätten, wenn sie vorher gewusst hätten was auf ihr Kind und sie zu kommt.
Kann es vielleicht auch daran liegen, dass wir in unserer Gesellschaft immer ganz überrascht sind wenn jemand stirbt und dass das eigentlich gar nicht sein kann/darf ?

Ich weiß nicht ob man den Menschen-in diesem Fall Kinder- mit dem Hund/Tier vergleichen kann. Denn wie man ja auch weiß sind die Nebenwirkungen bei einem Hund anders als bei den armen Kindern die solch eine Erkrankung trifft.
Ich weiß auch nicht ob ich selber einer Chemo zustimmen würde, wenn ich erkranken würde. Ich habe viele Krebsfälle in der Familie gehabt und weiß wie grausam die Medikamente sind. Ich selber habe lange Zeit ein Chemotherapeutikum genommen wegen meiner Immunerkrankung, die Nebenwirkungen waren nicht anders als bei Krebskranken, obwohl ich im Gegensatz zu diesen nur eine geradezu homöopathische Dosierung hatte.
Sorry ich schweife ab...natürlich kann dir keiner eine Garantie geben, das verlange ich auch gar nicht, aber Erfahrungswerte können geliefert werden wie hoch die Chancen sind, und sind sie für mein dafürhalten groß genug, würde ich nach jedem Strohhalm greifen.

Simone
08.03.2013, 21:20
Hallo,

das ist für mich eine Einzelfallentscheidung. Meine Luna hatte eine chronische schwere Erkrankung. Alleine um die richtige Diagnose zu bekommen, mußte ich bis nach Utrecht fahren. Dort wurde mir eine Lebenserwartung von ca. 1 Jahr angegeben. Wir haben aber sehr, sehr viel gemacht und es hat sich gelohnt. Sie wurde am Ende 10 Jahre alt...

Lisa hatte Lymphdrüsenkrebs. Ich hatte die Entscheidung Chemo ja oder nein. Ich habe es zunächst begonnen, mich dann aber doch dagegen entschieden. Die Chemo hätte ihr leider nur wenige Monate mehr Zeit gebracht, dafür hatte sie aber Nebenwirkungen der Chemo. Das wollte ich nicht...Sie sollte die letzte Zeit gut haben und erhielt somit nur Cortison.

Oso hatte schwere Arthrose und Arthritis. Nichts klassisches half, wir haben dann eine Radiosynosteosynthese machen lassen. Das gibt und gab es sehr selten in Deutschland. Aber ein Versuch war es unserer Ansicht nach wert.

Alle Entscheidungen wurden sehr speziell entschieden. Allgemein kann ich zu der Frage nicht viel sagen.

sina
08.03.2013, 21:59
Die schwerste Entscheidung habe ich bei meinem kleinen Bruno treffen müssen.
Durch seinen schweren Unfall bestand keine Hoffnung mehr, 11 Tage haben die Ärzte um ihn gekämpft.
Nachdem Bruno abends Krämpfe bekam sind wir mit ihm in die Klinik gefahren.
Ich wusste das es keine Hilfe mehr für ihn gab wollte ihn aber doch noch eine Nacht mit nach Hause nehmen.
Als wir ihn ins Auto getragen haben wurde mir bewusst das ich ihn gehen lassen mußte und nicht mein Wunsch wichtiger war.
Ich holte die TÄ zurück und in unseren Armen wurde mein kleiner Bruno von seinem Leiden erlöst.
Nie werde ich sein Stöhnen vergessen als er ging, mir brach es das Herz.:traurig::traurig:
Jetzt, am 17. März werden es 4 Jahre das mein kleiner Bruno im Alter von nur 5 Monaten und 5 Tagen von uns gegangen ist.:traurig::traurig:
Es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht an Bruno denke und ihn vermisse aber ich weiss das ich ihm dadurch meine Liebe gegeben habe.

bmk
09.03.2013, 08:49
einzelfallentscheidung! bei guter aussicht auf heilung und einer wenig leidvollen behandlung würde ich nach jedem strohhalm greifen.

beim menschen würde ich mir tiermedizinische möglichkeiten total wünschen.
mein vater ist vor zwei wochen an ALS verstorben, 3 jahre stetiger verfall und am ende qualvolles ersticken. für die angehörigen 24 stunden pflege und psychische belastung. hätte man das morphium etwas höher dosiert, hätte man sich strafbar gemacht. wenigstens werden patientenverfügungen beachtet und nicht gegen den willen eines betroffenen intubiert und zwanghaft am "leben" erhalten.

Rocky
09.03.2013, 09:00
... Antwort zu. Es müssen in jedem Fall viele Faktoren abgewogen werden.

Die Lebensqualität und das Wohl des Tieres sollte über allem stehen und nicht der Wunsch es bis zum unausweichlichen Ende behalten zu wollen.

Die Entscheidung ist schwer, es gibt nie richtig und falsch, jeder Zeitpunkt ist schlecht.

In Würde und ohne Schmerzen zu gehen ist ein Privileg welches wir unseren Schutzbefohlenen gewähren sollten.

Ich finde es ist eine Art finaler Liebesbeweis und er braucht sehr viel Kraft, darum auch verständlich, wenn nicht jede/r diese Kraft aufbringen kann.

bx-junkie
09.03.2013, 10:09
mein vater ist vor zwei wochen an ALS verstorben[...]

Mein Beileid :( ALS ist eine furchtbare Erkrankung und ich gebe dir recht...wieso gesteht man das dem Menschen nicht auch zu, was man Tieren zugesteht...




(die Frage ist mehr rhetorischer Natur, natürlich weiß ich warum man es eben nicht tut)

Schnuck-Schnuck
09.03.2013, 10:41
mein vater ist vor zwei wochen an ALS verstorben, Mein tiefes Mitgefühl und Beileid. Es ist schrecklich nur daneben zu stehen,zuzusehen und nicht helfen zu können. Letztlich ist der Tod dann Erlösung. Ich wünsch dir viel Kraft :(

sina
09.03.2013, 12:40
mein vater ist vor zwei wochen an ALS verstorben

Mein Beileid.

Sari
09.03.2013, 12:47
einzelfallentscheidung! bei guter aussicht auf heilung und einer wenig leidvollen behandlung würde ich nach jedem strohhalm greifen.

beim menschen würde ich mir tiermedizinische möglichkeiten total wünschen.
mein vater ist vor zwei wochen an ALS verstorben, 3 jahre stetiger verfall und am ende qualvolles ersticken. für die angehörigen 24 stunden pflege und psychische belastung. hätte man das morphium etwas höher dosiert, hätte man sich strafbar gemacht. wenigstens werden patientenverfügungen beachtet und nicht gegen den willen eines betroffenen intubiert und zwanghaft am "leben" erhalten.

Mein Beileid.
Mein Vater war in seinen letzten Tagen im Hospiz, er hatte Lungenkrebs, ich war sehr erleichtert, daß ihm keine Magensonde gelegt wurde und er von seinen Schmerzen befreit werden konnte.
Aber das tägliche Zusehen des Sterbens war für uns Angehörige sehr schwer.

Da ist es in der Tiermedizin doch einfacher, man hat als HH die Wahl und kann eine endgültige Entscheidung treffen.
Nur diese immer richtig zu treffen fällt auch schwer, man liebt sein Tier und möchte das es ihm gut geht.

Guayota
09.03.2013, 14:13
Herzliches Beileid und viel Kraft! :(

Guayota
09.03.2013, 14:21
Meinen Hunden habe ich von Anfang an versprochen, sie niemals leiden zu lassen. D.h. für mich bestmögliche Behandlung wenn ihnen etwas fehlt - aber kein "verzweifelter Irrsinn"...

Simone
09.03.2013, 14:24
mein vater ist vor zwei wochen an ALS verstorben, .


Das tut mir sehr leid.

Grazi
12.03.2013, 04:24
Liebe Lela...

das tut mir wirklich schrecklich leid. :(

Ich habe selber schon miterlebt, wie mein Schwiegervater elend gestorben ist und weiss daher, wie belastend (psychisch und physisch) die Pflege eines todkranken Menschen ist. Vor allem weil man so hilflos ist und einfach nur noch mitleidet.

Lass' dich in Gedanken also bitte ganz fest drücken!

Seufzend, Grazi

Grazi
12.03.2013, 04:31
Ganz klar: Einzelfallentscheidung.

Alle, die uns länger kennen (sowohl privat als auch nur über Foren), wissen, dass wir mit unseren Hunden schon verdammt viel mitgemacht haben. Incl. schwerer OPs, aufgrund derer der Hund in der Anfangszeit notgedrungen Schmerzen hatte und teilweise wochen- bis monatelang eingeschränkt werden musste.

Trotzdem haben wir die Entscheidung nie bereut, da sich die Hunde ausnahmslos alle gut von den Eingriffen erholt haben und wieder sichtlich Spaß am Leben hatten/haben. Bestes Bsp. ist sicher Mortisha.

Voraussetzung war aber auch immer eine umfassende Aufklärung vor Beginn einer Therapie / vor Ansetzen des Skalpells sowie eine realistische Einschätzung der Erfolgschancen.

Hier soll kein Tier unnötig leiden. Und ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Fellnasen zu erlösen, bevor ihre letzten Tage zu Qual werden.
Egal, wie sehr UNS der Verlust schmerzt.

Grüßlies, Grazi

Vicky
12.03.2013, 09:22
Da ich auch für aktive Sterbehilfe beim Menschen wäre, würde ich persönlich nicht alles ausschöpfen, was es heutzutage in der Medizin gibt, nur um das Leben eines geliebten Vierbeiners um ein paar wenige Monate zu verlängern.
Natürlich bleibt es eine Einzelfallentscheidung, aber gerade bei sehr alten und kranken Tieren sollte unser Egoismus den Freund nicht zu verlieren, ganz weit in den Hintergrund gerückt werden.
Ich selbst habe mal eine Entscheidung zu einer OP für eine alte Hündin hinterher bitter bereut, da sie sich davon nicht wieder erholt hat und ich ihr durch meine Zustimmung eigentlich noch mehr Leid und Schmerzen zugefügt habe. 7 Tage nach der OP haben wir sie gehen lassen müssen.

Isis78
12.03.2013, 09:36
Meinen Hunden habe ich von Anfang an versprochen, sie niemals leiden zu lassen. D.h. für mich bestmögliche Behandlung wenn ihnen etwas fehlt - aber kein "verzweifelter Irrsinn"...

dito. dieses versprechen wird bei jedem Rudelmitglied festgehalten, einfach damit ich mir das in erinnerung rufen kann, wenn ich unsicher bin, was ich tun soll.

Isis78
12.03.2013, 09:37
@BMK: mein herzliches Beileid und viel Kraft für Dich und Deine Familie:(

heder
12.03.2013, 11:56
Ganz klar: Einzelfallentscheidung.

Alle, die uns länger kennen (sowohl privat als auch nur über Foren), wissen, dass wir mit unseren Hunden schon verdammt viel mitgemacht haben. Incl. schwerer OPs, aufgrund derer der Hund in der Anfangszeit notgedrungen Schmerzen hatte und teilweise wochen- bis monatelang eingeschränkt werden musste.

Trotzdem haben wir die Entscheidung nie bereut, da sich die Hunde ausnahmslos alle gut von den Eingriffen erholt haben und wieder sichtlich Spaß am Leben hatten/haben. Bestes Bsp. ist sicher Mortisha.

Voraussetzung war aber auch immer eine umfassende Aufklärung vor Beginn einer Therapie / vor Ansetzen des Skalpells sowie eine realistische Einschätzung der Erfolgschancen.

Hier soll kein Tier unnötig leiden. Und ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Fellnasen zu erlösen, bevor ihre letzten Tage zu Qual werden.
Egal, wie sehr UNS der Verlust schmerzt.

Grüßlies, Grazi

da kann ich Dir ganz beistimmen, aber es gibt für mich noch einen Punkt, der bei mir immer dann auftauchte, wenn es darum ging, die Entscheidung für den letzten Weg zu tätigen.
Es kommt dann immer die Frage auf: " Hast du alles richtig entschieden, oder wäre da doch noch eine Mölichkeit, etwas zu tun?" Und auch im Nachhinein frage ich mich dann immer wieder, war das die richtige Entscheidung?
Sicherlich gibt es eine Grenze, wo die Vernunft sagt, bis hierher und nicht weiter, zum Wohle des Tieres, aber meistens spielt das Herz nicht mit!!

Ich denke, einem Tier zu helfen, mit allem was möglich ist, ok! Aber wenn die Hilfe zur Qual wird, sollte man die Notbremse ziehen. Ich denke mal, das man da entsprechende Beispiele genug im Bereich der Human Medizin sieht, wo sogenannte lebenserhaltenden Therapien versucht werden, aber von vorne weg ohne Aussicht auf Erfolg.

Peppe
12.03.2013, 17:33
Wir haben erst vor drei Wochen unsere Hündin einschläfern lassen. Obwohl sie schon sehr schwach und krank war, frage ich mich noch immer ob es richtig war. Wie will man wissen ob der Hund trotz Schmerzen nicht noch leben will. Weil einschläfern ist nicht schlafen, es ist nur der von uns herbeigeholte Tod.

Lg Petra

Scotti
13.03.2013, 15:11
Ich habe bei unserem Kater vor vielen Jahren die Notbremse gezogen.
Die TK wollte fast jeden Tag Blutbilder machen, Herz schallen usw.
Der arme Kerl bekam einen epileptischen Anfall nach dem anderen vor Aufregung.
Ich habe dann alle Behandlungen bis auf die Herztabletten und die Wassertabletten abgebrochen und er ist irgendwann am Herzschlag im Schlaf gestorben.
Zum Glück hatte ich damals eine gute TA die mir zur Seite stand und auch meiner Meinung war dass man zwar alles machen kann, aber nicht unbedingt alles machen muss wenn es nicht mehr Tiergerecht ist.

Scotti ist ja nun auch eine Dauerbaustelle der sicher keine 10 wird, auch bei ihm werde ich (hoffentlich) rechtzeitig die Bremse ziehen und ihn nicht auf Gedeih und Verderb noch Tage oder Wochen am Leben erhalten wenn es nicht mehr lebenswert ist.
Aber das sagt sich aus der Entfernung so leicht. Momentan geht es ihm danke einer fantastischen Kollegin richtig gut. :)

Peppe, lieber ein paar Tage zu früh als zu spät, ich finde es grauenhaft wenn ich sehe dass Leute ihre Tiere nicht gehen lassen können obwohl sie nur noch Schmerzen haben.

zantoboy
14.03.2013, 06:03
Das kann man nicht pauschalisieren.

Mein Hund hatte einen HIrninfarkt mit kompletter Halbseitenlähmung. Ich habe gesehen dass er im Kopf noch klar ist, also haben die Tierärzte gekämpft. Mit viel Physio läuft er jetzt wieder super, 1 Stunde locker.

Das einzige was ich pauschal ablehne ist Chemotherapie. Nicht nur für meine Hunde, sondern auch für mich. Ich habe meikne beste Freundin am 01.01.12 an den Krebs verloren. Durch die CHemo hatte sie so extreme Nebenwirkungen dass ihre Lebensqualität katastrophal war. Sie sagte kurz vor ihrem Tod auch, dass sie lieber ein halbes Jahr noch ein schönes lebenswertes Leben gehabt hätte, als anderthalb Jahre voller Qualen.

bx-junkie
14.03.2013, 07:30
Wir haben erst vor drei Wochen unsere Hündin einschläfern lassen. Obwohl sie schon sehr schwach und krank war, frage ich mich noch immer ob es richtig war. Wie will man wissen ob der Hund trotz Schmerzen nicht noch leben will. Weil einschläfern ist nicht schlafen, es ist nur der von uns herbeigeholte Tod.

Lg Petra

Petra mit diesen "Schuldgefühlen" hat eigentlich jeder Halter zu kämpfen. Zumindest mir erging es immer so...wider besseren Wissens das ich mir die Entscheidungen nie leicht gemacht habe, hatte ich immer das Gefühl meine Hunde verraten und im Stich gelassen zu haben...nur ein einziges Mal war es nicht so und ich bin bis heute im Reinen mit meiner Entscheidung, das war bei meinem BX Rüden Pelle...ansonsten denke ich oft ob ich es wirklich richtig gemacht habe? :(

Grazi
15.03.2013, 06:56
Zuerst einmal möchte ich dir mein Mitgefühl aussprechen... es ist hart, eine geliebte Fellnase zu verlieren und daher mehr als verständlich, dass du nun besonders "empfänglich" für dieses Thema bist und eher zu den zweifelnden Personen gehörst.

Wie will man wissen ob der Hund trotz Schmerzen nicht noch leben will. Ich behaupte jetzt einfach mal - aus meiner Erfahrung heraus - , dass man das merkt/sieht.

Wir hatten nun auch schon mehrfach Hunde, die schwer krank wurden und über einen mehr oder weniger langen Zeitraum stark eingeschränkt waren (Atembeschwerden / Schmerzen / Lähmung). Und gerade bei den Atembeschwerden (einmal durch Lungenfibrose und einmal durch Lymphom) habe ich mich tagtäglich gefragt, ob das noch zumutbar ist.... und habe mir bei ehrlichen Freunden und bei meiner TA immer wieder Rückmeldung geholt.

Solange die Hunde aber Spaß hatten, immer überall dabei sein wollten, normal gefressen haben... und die Augen glänzten, war es ok. Und genau der Augenausdruck veränderte sich, als es den Wauzels "zu viel" wurde. Der Blick wurde matt und resigniert... die ganze Körperhaltung veränderte sich. Und in diesem Moment haben wir sofort die Bremse gezogen!

Grüßlies, Grazi

Peppe
15.03.2013, 16:49
Danke für das Mitgefühl.
Die Entscheidung ist sehr schwer.
Ich behaupte mal sie wollte noch leben, vom Kopf her.
Konnte aber nicht mehr aufstehen und nicht mehr ohne Hilfe laufen.
Lg Petra

Grazi
19.03.2013, 06:57
Ich behaupte mal sie wollte noch leben, vom Kopf her.
Konnte aber nicht mehr aufstehen und nicht mehr ohne Hilfe laufen.
Lg Petra So was ist ganz ganz schlimm. :(

Sicher... es gibt Geh-Hilfen (Bauchgurte, Geschirre, Rollis)... aber so ein Hund braucht im Grunde eine Rund-um-die-Uhr Betreuung und wenn er eine entsprechende Größe hat, schafft man das Umlegen, Aufstellen, Unterstützen oder gar Tragen nicht immer alleine....*seufz*

Dann kommt ganz schnell die Unsauberkeit hinzu oder - falls das Hundi wie bekloppt einhält - das stundenlange Einhalten ... das findet ein bis dahin reinlicher Hund auch nicht wirklich lustig... dazu die mangelnde Auslastung (körperlich und vom Kopf her).

Und irgendwann reichen auch die Schmerzmittel nicht mehr aus, selbst wenn der Hund nur noch liegt.

Das solltest du bedenken, bevor du dir nun ständig Vorwürfe machst.
Ihr habt dem ganzen ein Ende gesetzt, bevor es zur richtigen Quälerei wurde. Und ihr wart bis zum Schluss bei eurem Liebling und habt ihr hinübergeholfen.

Seufzend, Grazi

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