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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : X-Hunde, Sporthund oder Waffe?


Nessie
19.04.2012, 10:35
Hallo,

da das Thema grad in den Medien aufkommt, würde ich gern eure Meinung zu diesen Hunden wissen? Findet ihr es sinnvoll, derartig "triebige" Hunde für den Sport und den Einsatz der Polizei zu züchten oder wird der Hund hierbei zur unkontrollierenbaren Waffe?

http://www.mdr.de/exakt/xhunde100.html

Wenn man sich die Beschreibung dieses Rüden durchliest, dann hofft man nur, dass er nie in falsche Hände gelangt...

http://www.coool-dogs.de.tl/Deckr.ue.de-Devil.htm

bx-junkie
19.04.2012, 10:42
Hmmm....gut finde ich es nicht, aber mich würde mal interessieren was mit "führerhart" gemeint ist...

Peppi
19.04.2012, 10:53
Ich glaube solchen Berichten nicht, weil die "Wissenschaft" allein schon den Begriff "Trieb" seit langem meidet.

Unseriöse Quelle ;)

titus der tyrann
19.04.2012, 11:05
Habe schon davon gehört.Finde es echt schlimm sowas zu sehen solche Hunde gehören nicht in private hand.Wollte mit meinem dicken auch schutzdienst machen damit er selbstsicherer wird mir wurde aber seitens des Vereins abgeraten da er ne kleiner schisser ist aber gleichzeitig sehr triebig seien kann.Das kann eine gefährliche kombi sein also hat man mir ans Herz gelegt soetwas nicht zu machen.Aber zurück zum thema als wenn belgische sh nicht schon potential genug hätten da muss man eigebtlich nichts mehr einkreuzen. Was sind eigentlich Herder hab ich noch nie gehört

Bibs
19.04.2012, 11:09
Ich denk das ist ein ganz heikles Thema, muss aber gestehen daß ich von X-Hunden bisher noch gar nichts gehört hab...

Ich versteh auch nicht warum man derart "giftige" Hunde überhaupt züchten muss das ist für mich ganz klar wieder ne Ego-Sache...
Was passiert mit den ganzen X-Hunden die nicht bei der Polizei landen???
Für mich gehen diese Hunde absolut nicht in Familien und Normalbürgerhänden....

Genauso sinnlos find ich es das jeder Ottonormalbürger mit seinem Hund welcher Rasse auch immer in den Schutzdienst darf..
Ich bin in Sachen Schutzdienst wirklich voreingenommen weil ich den Sinn nicht sehe warum ich meinen Hund auf Menschen hetzen soll sei es mit Ärmel oder ohne....

Und ich kenn genug Hunde - Schäfer- wie Malis - die Ihr Leben im Zwinger und auf dem SV-Platz verbringen und keinem davon will ich Nachts begegnen...

Zu der Rüdenbeschreibung, Ich hab schon vor langer Zeit in der Schäferhundzeitschrift beim Tierarzt solche Verkaufsanzeigen gelesen. Das ist denk ich in der Branche nicht unüblich...
Die wenigsten wollen doch einen Schäferhund der super nett ist, zum Frisbee spielen, und vor dem Kaminkuscheln...:hmm:
Ja es gibt diese Hunde und ich mag die auch...
Die Tierheime waren schon immer voll mit Schäfermixen und es waren genug dabei die nicht in unerfahrene Hände gehören...

Nur jetzt spitzt sich die Sache mehr zu weil es an die öffentlichkeit geht...

Nessie
19.04.2012, 11:14
@ titus der tyrann

http://www.hollandse-herder-vom-erftblick.de/

titus der tyrann
19.04.2012, 11:20
Oft ist es so das die Medien da ne größere sache rausmachen als sie ist verharmlosen darf man es denoch nicht.Ob Schutzhunde überhaubt in privathand gehören ist sowie so ein großes streit Thema.

Dega
19.04.2012, 12:57
ich habe mir das erste video jetzt nicht bis zum Ende angeschaut, weil gleich in den ersten anderthalb Minuten schon sachliche Fehler drin sind.

1. Es wird so getan, als würden besonders aggressive Hunde aus Belgien importiert. Was unterschlagen wird: Der Malinois ist eine ursprüngliche belgische Hunderasse - berger de Malines, Mechelse Herder => Schäferhund aus Mechelen/Malines. Dass die ein wenig gaga sind, ist ne andere Sache.

2. Die "Videoeinspielung" der "belgischen Polizei" (1:20ff) ist ein Ausschnitt aus einem Video, das seit ewigen Zeiten bei YT zu finden ist - über die französische Polizei, und zwar eine dortige Spezialeinheit, von der ich immer den Namen vergesse, Anti-Terror irgendwas, und es hat mit den "belgischen X-Hunden" nicht das Geringste zu tun.
Hier ist es: http://www.youtube.com/watch?v=ivVRYYHLqJY

=> Da wird vieles durcheinandergeschmissen, wenig sachlich reportiert und dolle Panik geschürt. Don't like it.
Aber wie gesagt, ich hab's mir nicht bis zum Ende angeschaut.

blue
19.04.2012, 12:59
Versteh jetzt nicht ganz...
Gab's schon immer....was also ist neu dran ?

Ich weiß noch von meinen Anfangszeiten im Hundesport, wie sich die Herren und Damen über eine Linie bei Schäfern unterhalten haben, die wirklich noch was wert sind.
Über Rottweiler, die noch richtig beissen können.
BZW, wir hatten damals ja ein Bullterrier aus einer Leistungslinie aufgenommen, der in Zivil ausgebildet war.
Auch da konnten Interessierte die gesamte Ahnenreihe bis hin zu was-weiß-ich-wohin aufsagen, und welche echt scharfe Mistviecher da mitgemacht haben.
Die game Pitlinien werden in vielen Foren wie Psalme aus der Bibel aufgesagt und ich weiß noch von Bulldog-Zeiten,wo dort auch heftigst auf Trieb gezüchtet wurde.
Von den Malis wollen wir mal garnicht reden.....

Also, was ist neu ?

Dega
19.04.2012, 13:09
neu daran ist wohl, dass suggeriert wird, ein "ganz normaler" Schäferhund würde mit ganz besonders aggressiven Exemplaren anderer Rassen gekreuzt (daher X)

Cira
19.04.2012, 13:19
Ich finde Schutzsport für Privatpersonen sollte in der Form, dass die Hunde "mannscharf" gemacht werden verboten werden.
Die Einzigen für die es überhaupt eine Berechtigung hat sind meiner Meinung nach Einrichtungen wie die Polizei, Wachdienste, etc.
Keine Privatperson braucht einen auf Mannschärfe abgerichteten Hund.
Das ist für mich eine reine P....verlängerung.

...

blue
19.04.2012, 13:28
neu daran ist wohl, dass suggeriert wird, ein "ganz normaler" Schäferhund würde mit ganz besonders aggressiven Exemplaren anderer Rassen gekreuzt (daher X)

Also in etwa das, was die Schweizer schon vor 10 Jahren super mit dem Basic-Dog hinbekommen haben ?

bx-junkie
19.04.2012, 13:50
Also in etwa das, was die Schweizer schon vor 10 Jahren super mit dem Basic-Dog hinbekommen haben ?

oder der legendäre "Bandog"? Das Synonym für "hochgradig gefährliche Bestie" :hmm:

Marti
19.04.2012, 14:03
Wieder mal eine Reportage auf Niveau der Bildzeitung. Es werden wild Begriffe wie Aggressivität und Beutetrieb, Schutzdienst und Abrichten usw. über einen Haufen geworfen. Hauptsache eine Schlagzeile.
Ein triebstarker, selbstsicherer und vor allem sauber ausgebildeter Hund kann genau zwischen Hundeplatz und Alltag unterscheiden, da spielt es keine Rolle, ob Schutzdienst oder Mondioring mit dem Hund betrieben wird.
Was meiner Meinung nach allerdings stimmt ist, dass sehr triebstarke Hunde in Otto-Normalfamilien fehl am Platz sind. Diese brauchen entsprechende Auslastung und Förderung, welche in solchen Familien normalerweise nicht gegeben wird. Und da spielt die rasse keine Rolle.

Peppi
19.04.2012, 14:22
Ich empfehle Gansloßer zum Triebbegriff! ;)

Marti
19.04.2012, 16:05
Lass uns doch an deinem umfangreichen Wissen teilhaben ;)

Peppi
19.04.2012, 21:28
Hab ich schon oft. Aber die meisten wollen einfach nichts davon wissen, dass man in der Hundeausbildung sehr vielen Märchen nachläuft.

Deshalb beschränk ich mich auf weiterführende Hinweise!

Marti
21.04.2012, 10:05
Schade

Cira
21.04.2012, 14:00
Ein triebstarker, selbstsicherer und vor allem sauber ausgebildeter Hund kann genau zwischen Hundeplatz und Alltag unterscheiden,

Das ist wohl eher Wunschdenken.

...

Marti
21.04.2012, 15:23
Nein.. genauso einer liegt nämlich gerade unter meinem Schreibtisch und schnarcht.

Wunschdenken von vielen ist es eher, dass es so etwas nicht geben kann ;)

BX-Isabell
22.04.2012, 15:07
Ich kenne Hunde verschiedenster Rassen die auch im Schutzdienst geführt werden.Ein Großteil lebt in der Familie.
Der Prozentsatz an Hunden wo das nicht der Fall ist,ist eher gering.
Und darunter gibt es noch einen kleineren Prozentsatz wo ein direkter Familienanschluss nicht ratsam wäre.
Aber der ist verschwindend gering.
Ich denke das ein Verantwortungsvoller Hundeführer dies abschätzen kann.

Allerdings gibt es auch immer wieder schwarze Schafe,die gibt es unter Autofahrern aber umso mehr.

chrieso
22.04.2012, 17:41
hier kann ich vielleicht ein wenig zu erzählen da mir der vater des rüden "devil" der den namen "barnabas" trägt persönlich bekannt ist.
der hund wird im sicherheitsdienst geführt und in diesem betrieb habe ich mal ein praktikum gemacht.
der vater barnabas ist auf jedenfall ein hund der sich nur von seinem führer und sonst von niemandem anfassen lässt. jeder der sich ihm oder dem hundeführer näher als 2 meter nähert wird angegriffen..
dieser hund ist wol im sicherheitsdienst gut zu "gebrauchen" allerdings müsste er mittlerweile wol an die 12 jahre sein und hatte noch nie eine situation die eine solche ausbildung rechtfertigen würde.
mann muss sich halt vor augen halten das dieser hund niemals mehr zivil geführt werden kann und das finde ich schade...
das mit dem "x" ist wol eine vermarktungsstrategie .. mir wurde der hund damals als hollandse herder festgestellt ..

Peppi
23.04.2012, 13:04
Ein triebstarker, selbstsicherer und vor allem sauber ausgebildeter Hund kann genau zwischen Hundeplatz und Alltag unterscheiden,

Ich hatte das bisher immer so verstanden, dass man diesen Sport betreibt, um Hund in Extremsituationen kontrollieren zu können. Zumindest kommt das so gut wie immer in den Diskussionen!

Und jetzt hab ich es endlich kapiert! Es geht gar nicht um die Extremsituationen draußen, im real Life, sondern um die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Extremsituationen auf dem Platz!

Wieder schlauer! ;)

Sorella
23.04.2012, 13:17
Ich hatte das bisher immer so verstanden, dass man diesen Sport betreibt, um Hund in Extremsituationen kontrollieren zu können. Zumindest kommt das so gut wie immer in den Diskussionen!

Und jetzt hab ich es endlich kapiert! Es geht gar nicht um die Extremsituationen draußen, im real Life, sondern um die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Extremsituationen auf dem Platz!

Wieder schlauer! ;)

:ok::ok:
jetzt leuchtet es mir auch ein, dachte auch immer es geht um die Situationen im echten Leben....

heder
23.04.2012, 13:49
Ich hatte das bisher immer so verstanden, dass man diesen Sport betreibt, um Hund in Extremsituationen kontrollieren zu können. Zumindest kommt das so gut wie immer in den Diskussionen!

Und jetzt hab ich es endlich kapiert! Es geht gar nicht um die Extremsituationen draußen, im real Life, sondern um die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Extremsituationen auf dem Platz!

Wieder schlauer! ;)

:ok::ok::ok::ok::ok::ok::ok::ok:

finde diese aussage aber noch recht interessant:

Zitat von Prof. Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen aus "Zum Aggressionsverhalten Deutscher Schäferhunde":
"Zusammenfassend ist bislang festzustellen, dass eine Zuchtauslese, die Hunde mit vielseitigem, ausgewogenem Sozialverhalten fördert, deren Aggressionsverhalten als Regulativ wirksam ist, gut sein muss. Die Auswahlkriterien zur Zucht dieser Rasse sind vielseitig, der Schutzdienst ist so gestaltet worden, dass er ganz sicher nicht mit Aggressionsdressuren, die verhaltensgestörte Tiere erzeugen, da sie unbiologisch und einseitig, insgesamt tierschutzwidrig verlaufen, verwechselt werden darf. Die Entwicklungsrichtung in Bezug auf das Verhalten ist bei den Deutschen Schäferhunden nach den bisherigen Befunden sozialethisch (im Sinne von Hassenstein), indem sie den Erfordernissen des Zusammenlebens hochsozialer Tiere gerecht wird. Bei vielen Haustieren ist dieses nicht der Fall. Einseitige Zuchtauswahl nach (zweifelhaften) Schönheitskriterien unter Vernachlässigung des Verhaltens haben Tiere hervorgebracht, die nach dem § 11 b des Tierschutzgesetzes i. d. Fassung von 1998, als „Qualzuchten“ bezeichnet werden. ALS KRITERIUM DER ZUCHTAUSWAHL HALTE ICH DEN HEUTIGEN "SCHUTZDIENST" (streng nach der Prüfungsordnung im spielerischen Sinne durchgeführt) FÜR UNVERZICHTBAR.


:35::35::35:

Da kann man jetzt so einiges rausinterpretieren..............

Peppi
23.04.2012, 13:58
Welches jahr?

Ich SPEKULIERE: Das war kurz nach Inkraftreten der Hundegesetze, die diese Ausbildung zunächst komplett verboten haben. Die Einschränkung, dass die Formulierungen im Hundegesetz NICHT die private Ausbildung meinen, ist erst nachträglich eingearbeitet worden.

Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als man auch anfing, Schutzdienst und Schutzhund begrifflich klar zu trennen und den Schmuh mit Spieltrieb und Wehrtrieb für die Öffentlichkeit erfand.

Das Problem sind die Hormone. Das hat was mit Sucht zu tun.

Die sogenannten Balljunkies sind genau das Gleiche. Nur reagieren diese bei Übersprungverhalten anders...

Mit Trieben hat das nicht wirklich was zu tun.

Aber um rationale Argumente ging es ja noch nie in der Diskussion...:hmm:

heder
23.04.2012, 14:21
Ist aus 2000!

Finde aber auch diesen Beitrag, auch wenn schon älter, sehr interessant, weil hier meiner Meinung nach mal einiges sachlich richtig interpretiert wird!

http://www.maulkorbzwang.de/Briefe/Publikationen/die_wichtigsten_expertenaussagen.pdf

auch interessant:

http://www.hundegesetze.de/news/info/089info.html

Marti
23.04.2012, 16:17
Ich hatte das bisher immer so verstanden, dass man diesen Sport betreibt, um Hund in Extremsituationen kontrollieren zu können. Zumindest kommt das so gut wie immer in den Diskussionen!

Und jetzt hab ich es endlich kapiert! Es geht gar nicht um die Extremsituationen draußen, im real Life, sondern um die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Extremsituationen auf dem Platz!

Wieder schlauer! ;)

Was hat das mit meinem Zitat zu tun? :35:

Peppi
23.04.2012, 16:20
Was hat das mit meinem Zitat zu tun? :35:

Marti (vereinfacht): "Hund unterscheidet Platz/Real Life"

Häufiges Argument in Diskussionen: "Ausbildung sinnvoll damit Hund in Extremsituationen (draussen!) "kontrollierbar" ist.


Zwei völlig widersprüchliche Aussagen von Fürsprechern dieses "Sports".



Nachzulesen in nahezu jeder Diskussion zu dem Thema!

Guayota
23.04.2012, 19:51
Ich streue hier mal eine "rationale" >>Statistische Auswertung von Sachverständigengutachten über Hunde mit Beißvorfällen in Bayern<< ein.

>>Insgesamt wurden 203 Gutachten ausgewertet, die im Zeitraum von 1997 bis 2004 erstellt wurden. Von diesen 203 Gutachten bezogen sich 136 auf Beißvorfälle mit Personen und 67 auf Beißvorfälle mit Artgenossen.<<

Scheint wohl statistisch gefährlicher zu sein, mit seinem Hund nichts zu machen...;)

In Bezug auf die Nutzung (Definition siehe Kap. 3.4.5) der Hunde zeigte sich, dass 87,6% der auffällig gewordenen Hunde Familienhunde sind oder als „Lebensbegleiter“ von ihren Besitzern angesehen werden. Ein möglicher Grund für das gehäufte Vorkommen dieser Hunde könnte eine mangelnde Leitung, Führung sowie Kontrolle des Hundes sein. Häufig
werden Hunde in einer Familie in Bezug auf die Erziehung, Ausbildung und Führung vernachlässigt oder laufen „nebenher“. Eine bessere Kontrolle über den Hund seitens aller Familienmitglieder wäre wünschenswert. Dies wäre zum Beispiel durch einen gemeinsamen Besuch einer Hundesschule aller Familienmitglieder zu erreichen. Bei Hunden, die von ihrem Besitzer als „Lebensbegleiter“ angesehen werden, könnte eine sehr „vermenschlichte“ Haltung ein Grund für das auffällige Verhalten sein.
BRUNNER (1994) begründet eine Notwendigkeit in der Erziehung eines Hundes damit, dass bei einem Hund das Bedürfnis besteht, sich in eine soziale Ordnung einzufügen. Geschieht dies nicht, zeigt der Hund „unsoziale“ Verhaltensweisen, die nicht in die menschliche Umgebung passen. Diese Ausführungen konnten in der hier vorliegenden Arbeit bestätigt werden. Bei den Besitzerangaben über die Ausbildung (Definition siehe Kap. 3.4.6) der auffällig gewordenen Hunde hat sich gezeigt, dass 43,3 % der Rüden und 53,3 % der Hündinnen keinerlei Ausbildung oder Erziehung erhalten haben. Laut WIESNER und BOSTEDT (2000) können Anforderungen an ein angepasstes Verhalten des Hundes an das Lebensumfeld des Menschen nur dann vom Hund erfüllt werden, wenn der Mensch durch sein Auftreten ein entsprechendes Ausrichten des Verhaltens des Tieres an seine Person herbeiführt. Ein solches Auftreten des Halters entspricht funktional sehr deutlich dem Verhalten des „Alpha-Tieres“ in der Gruppenstruktur einer Wolfs- bzw. Hundesozietät. Hierzu gehört u.a. die Einübung subdominanten Verhaltens. Dabei kommt den einfachsten Unterordnungsübungen wie „Fuß“, „Sitz“ und „Platz“ bei der Prophylaxe der Hyperaggressivität eine sehr wichtige Rolle zu (REHAGE, 1992). Aufgrund der oben beschriebenen Ausführungen war es erstaunlich, dass Hunde, die eine Hundeschule besucht hatten an zweiter Stelle der auffällig gewordenen Hunde standen
(Rüden: 34,5%; Hündinnen: 22,2%). Ein Grund für dieses Ergebnis ist sicherlich, dass Besitzer von Hunden mit unerwünschtem Aggressionsverhalten zunächst Hilfe in einer Hundeschule suchen. GOLD (2005) untersuchte 16 Hundeschulen in Bayern und fand heraus, dass der Großteil der Ausbilder an den Hundeschulen sich ihre Qualifikationen
überwiegend über Seminare und Praktika oder Selbststudium erworben haben. Diese Hundeschulen sind meist nicht auf Problemhunde spezialisiert und können möglicherweise das Problemverhalten nicht lösen. Laut GOLD (2005) beschränkte sich die Ausbildung von Hunden mit „problematischem“ Verhalten in den meisten Hundeschulen auf maximal ein Viertel der ausgebildeten Hunde. Eine weitere Möglichkeit für das gehäufte Vorkommen von
auffällig gewordenen Hunden aus Hundeschulen wäre, dass der Besitzer, das in der Hundeschule gelernte Wissen über die Erziehung und Führung seines Hundes nicht konsequent umsetzt und somit das Problemverhalten bestehen bleibt.
Hunde, die als Schutzhunde ausgebildet wurden, kamen zu einem untergeordneten Prozentsatz in der Auswertung vor (Rüden: 2,2%; Hündinnen: 0%). Dies zeigt, dass gut ausgebildete Sport- und Schutzhunde kein Gefahrenpotential darstellen. Laut FEDDERSENPETERSEN (1994) sind es vielmehr die Hunde, welche im Rahmen des Hundesports aufgrund einer unbiologischen Dressur „auf den Menschen“ unberechenbar aggressiv geworden sind und die eine derartige Ausbildung nicht abgeschlossen haben.

Quelle: Inaugural-Dissertation zur Erlangung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München von Roman Mikus, München 2006, 5. Diskussion, Seite 65-66.

Interessant ist übrigens auch, dass Rüden wesentlich häufiger in Beissvorfälle verwickelt sind als Hündinnen und bei den Rüden signifikant mehr unkastrierte. Aber das nur nebenbei.;)

Marti
23.04.2012, 21:26
@Peppi: Nein, nicht widersprünglich. Man darf die Aussagen nur nicht aus dem Zusammenhang reißen:
A) "Hund unterscheidet zw. Platz und real-life".
--> Damit ist das beißen gemeint. Mein Hund weiß genau, wenn er mit dem Figurant um den Arm kämpfen darf. Das heißt aber nicht, dass er auch im Alltag beißen würde. Im real-life ist er der offenste und gutmütigste Hund, den man sich vorstellen kann. Bin mit ihm im Cafe, in der Stadt und hatte ihn sogar in der Schule schon dabei.

B) "Ausbildung sinnvoll damit Hund in Extremsituationen (draussen!) "kontrollierbar" ist.
--> Das stimmt auch. Ich kann meinen Hund beispielsweise mittlerweile vom Jagen abrufen (und er hat einen enorm hohen Beutetrieb). Dies funktioniert aber nur, weil er gelernt hat, auch in hohen Reizlagen noch ansprechbar zu bleiben.
Ich behaupte sicher nicht, dass dies nur durch Schutzdienst möglich ist, allerdings kann es durchaus sinnvoll sein in meinen Augen, da der Hund im Alltag selten in solche Trieblagen kommt und dann eben, mangels Übung, meist "abschaltet".
Verstehst Du, was ich meine?

Peppi
24.04.2012, 10:38
@Peppi: Nein, nicht widersprünglich. Man darf die Aussagen nur nicht aus dem Zusammenhang reißen:
A) "Hund unterscheidet zw. Platz und real-life".
--> Damit ist das beißen gemeint. Mein Hund weiß genau, wenn er mit dem Figurant um den Arm kämpfen darf. Das heißt aber nicht, dass er auch im Alltag beißen würde. Im real-life ist er der offenste und gutmütigste Hund, den man sich vorstellen kann. Bin mit ihm im Cafe, in der Stadt und hatte ihn sogar in der Schule schon dabei.

B) "Ausbildung sinnvoll damit Hund in Extremsituationen (draussen!) "kontrollierbar" ist.
--> Das stimmt auch. Ich kann meinen Hund beispielsweise mittlerweile vom Jagen abrufen (und er hat einen enorm hohen Beutetrieb). Dies funktioniert aber nur, weil er gelernt hat, auch in hohen Reizlagen noch ansprechbar zu bleiben.
Ich behaupte sicher nicht, dass dies nur durch Schutzdienst möglich ist, allerdings kann es durchaus sinnvoll sein in meinen Augen, da der Hund im Alltag selten in solche Trieblagen kommt und dann eben, mangels Übung, meist "abschaltet".
Verstehst Du, was ich meine?

Ja, ich verstehe was Du meinst! :lach4:

Peppi
24.04.2012, 10:44
Und nicht zu vergessen, dass Triebstaumodell von K. Lorenz!

Scheint wohl statistisch gefährlicher zu sein, mit seinem Hund nichts zu machen...;)

So ne Schlussfolgerung hätt ich von Dir aber nicht erwartet! ;)


Der Rest ist Lobbyismus in genau dem beschrieben Zeitrahmen in dem "entsprechenden" Bundesland, bzw. Freistaat... siehe Preugschat! ;)

Sorella
24.04.2012, 10:52
..

Sorella
24.04.2012, 10:56
Scheint wohl statistisch gefährlicher zu sein, mit seinem Hund nichts zu machen...;)

Das denke ich nicht, die Statistiken dreht man eh immer so wie man sie braucht bzw die Ergebnisse variiern je nach Betrachtungswinkel.
Es gibt natürlich deutlich mehr Hundebesitzer die mit ihrem Hund nichts machen als es Besitzer gibt die Schutzdienst machen.So fällt die Statistik eher negativ in Richtung reiner Familienhund.

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