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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wann ist es genug?? Einschläfern...


chakadia2
08.09.2005, 23:06
In letzter Zeit muss ich oft an unsern Amfo denken, der vor einem Jahr eingeschläfert wurde...

Ich stell mir oft die Frage, hätten wir mehr tun können, hätten wir noch andere Medikamente versuchen sollen, oder war mein Bauchgefühl richtig damals.

Amfo war schon länger krank und hatte die typischen Altersschwächen für seine Rasse (Frenchi, 12 Jahre). Einen Tag vor seinem Tod, spuckte er nur noch Wasser immer wieder aus. Er fiel komplett zusammen und wirkte total mager und erschlagen. Seine Augen waren müde. Ein Tag vorher war er noch topfit... Die Ärtzin untersuchte ihn, gab ihm Aufbaupräparate aber wies uns auch auf sein Alter hin, und das sowas halt täglich passieren kann... Irgendwie wusste ich schon da, dass der Zeitpunkt gekommen ist.
Am nächsten Morgen, kam er kaum noch aus seiner Hütte raus, er wollte nicht. Ich bittete ihn heraus ( er nahm mich gar nicht mehr wirklich wahr). Dann kam er raus und fiel einfach zur linken Seite weg. Wir fuhren zum TA. Auf der Fahrt wusste ich, dass wir nicht wieder vollständig zurückkommen würden.
Die TÄ sagte, dass er einen Schlaganfall gehabt hätte und das jedes Aufpäppeln ihn nur noch qualen würde. Ich wollte einfach, dass er in Würde stirbt. Auf dem Tisch lag nur noch ein Haufen Elend und Schmerzen, von unserm starken feinfühligen Amfo war fast nichts mehr da. Ich flüsterte ihm zu: "Deine Mama ist ja da, nun kannst du endlich zu Uwe gehen er wartet schon soo lange auf dich... *" Dann machte die TÄ es und er schlief in meinem Armen ein, ganz leise ganz sanft - und nicht alleine -so wie es es immer wollte...

Wir hatten ihn mit 9 jahren bekommen und wussten, dass es eine kurze Zeit wird, aber es war trotzdem so kurz alles. Uwe war damals in der Wohnung tödlich verunglückt und man bermekte es erst 5 Tage später durch den Geruch... Amfo überlebte es ohne Wasser und Essen und lag neben Uwe, als man die Tür aufbrach.

War es nun richtig?? Hätten wir was tun können?? Ich mache mir irgendwo immer noch Vorwürfe, weil ich ihn sooo vermisse und es dadurch nicht abhaken kann. Von zwei verschiedenen Leuten habe ich gehört, dass man Schlaganfälle medimenkatös behandeln kann.

Wann ist für euch der Zeitpunkt, an dem man "Auf Wiedersehen" sagt....? Muss man alles versuchen, oder sollte man die Ethik walten lassen...

Katrin
09.09.2005, 06:24
Bei dieser Geschichte kann man sich nicht dagegen wären traurig zu werden :traurig3:

Zum Thema hätte man mehr tun können/müssen.... Ich bin der Meinung, daß das jeder mit sich selbst ausmachen muss. Schliesslich hat man mit dem Tier Zeit verbracht, ob länger oder kürzer spielt keine Rolle, kennt es am besten... Wenn das Gefühl einem sagt, der Zeitpunkt ist gekommen, dann ist er das wohl.

Attila
09.09.2005, 07:16
Ich war dieses Jahr in einer ähnlichen Situation wie Du.

Mein Rotti Aaron hatte Krebs. Ich hatte alles getan, was ich tun konnte. Zuletzt wurde er noch operiert.
Während der Operation stellte sich heraus, dass der Krebs schon weiter war als vermutet.
Also sprach ich mit der Tierärztin und fragte sie, was sie für das Beste hielte. Sie sagte mir dann, dass sie ihn wieder "zumachen" könne und er evtl. wieder aufwacht.
Das Leben, was er dann nur noch sehr kurz hätte, wäre aber nicht lebenswert.

Ich entschied mich dafür, Aaron nicht mehr aufwachen zu lassen. Meine Familie und ich, wir waren fix und fertig.
Aaron ist aber auch in meinen Armen eingeschlafen und wir haben ihn im Garten beerdigt.


Wann ist es genug?
Dein Frenchi war 12 Jahre. Ich denke, dass ist auch für dieses Rasse schon ein hohes Alter. Wenn er in Würde hätte weiterleben sollen, dann wäre das sicher mit Medikamenten nicht möglich gewesen.
Irgendwann ist es eben vorbei! Mit den Hunden wie mit uns auch. Ich möchte jedenfalls nicht um alles in der Welt am Leben erhalten werden, wenn ich von dem "Leben" nichts mehr mitbekomme.
Ihm geht es da wo er jetzt ist besser. Glaub' mir.
Du hast Dich damals richtig entschieden, denn Du hast Deinen Hund geliebt.
Genau wie ich.

Greets Lars.

July
09.09.2005, 07:39
Wir Menschen sollten dankbar sein, dass wir die Entscheidungsfeiheit und Möglichkeit haben ein Tier nicht unnötig leiden zu lassen !
Manchmal muss man das eigene Herzeleid hinten anstellen und dem Tier seinen Frieden gönnen.
Wieviele Hunde werden unnütz gepäppelt und müssen leiden, nur weil ihre Menschen die Trauer um das geliebt Tier nicht ertragen wollen ?!

Mein erster BM musste wegen Blasenkrebs eingeschläfert werden; der TA hatte noch den Vorschlag ihn in der THS Gießen einer Chemotherapie zu unterziehen ("da laufen gerade die ersten Studien...")...
Wie bitte soll ein Hund das verstehen??? Einem Menschen kann man erklären, warum er sich dadurch quälen muss......

@chakadia2

Quäle Dich nicht mit Vorwürfen! Hätte, würde und sollte - das ist rum!
Lass die Trauer zu und freue Dich an den Erinnerungen an die schöne Zeit, die ihr miteinander verbringen durftet!
Du hast dem Hund all Deine Zuneigung gegeben und warst ihm ein würdiges Ende schuldig.

Gerhard
09.09.2005, 07:39
Wir sind immer sehr bemüht, alles für unsere Hunde zu tun, bis zum letzten Tag. Aber man muss die Grenze wahren um nicht aus falsch verstandener Tierliebe, die dann nur Eigenliebe ist, weil man sich nicht trennen will, das Tier zu quälen. Auch uns fällt die letzte Entscheidung immer unglaublich schwer und wir hoffen, dass es uns in der Vergangenheit immer gelungen ist und in der Zukunft immer gelingen wird, den richtigen Zeitpunkt zu finden.

bmk
09.09.2005, 11:44
krümi musste ja auch erst vor kurzem eingeschläfert werden. hätte der hauch einer chance bestanden häten wir es wohl nochmal versucht- aber in der wuppertaler klinik sagten sie uns es sei aussichtslos.
noch mehr solcher tage hätte ich ihm nie gewünscht, es war das beste für ihn. wenn die schmerzen größer sind als die lebensfreude - und das anhalten sollte- sollte man das tier gehen lassen.

Bensmann
09.09.2005, 14:18
dem ist nichts hinzuzufügen, sehe ich genauso!
Außerdem hat das loslassen auch was mit Tierliebe zu tun.

Beate
10.09.2005, 17:29
nah am Wasser gebaut... aber ... das ist so crass... Der arme tropf war bei seinem Herrchen als es stab und nun warst Du für ihn da als er "tschüss" sagen musste...

Schön!

Es ist ganz ganz schwer abzugrenuzen ob man dem Tod nachhelfen muss oder warten muss bis das Tier kraftlos aufgibt.

Unser DSH war körperlich nicht mehr in der lange allene "Gassi" zu gehen. Wir haben ihn rausgetragen. Er hatte es mit dem Herzen und der Lunge wie auch am Schluss mit dem "Gstell". Wir legten ihn alle paar stunden von links nach rechts... Er konnte nicht mehr....ABER WAS TUN WENN DU MIT IHM SPRICHST UND ER DICH GANZ AUFGEWECKT MIT VOLLEM VERSTAND ANKUCKT UND DEN KOPF AUFMERKSAM VON LINKS NACH RECHTS DREHT?????????

Es ist sooo schwer zu entscheiden....!!! Ich werde nie vergessen als ich nach der arbeit vor3 Jahren kam uns zu meinen Vater sagte "Wo ist Cico?" Er antwortete mir " Im Keller" (dort lag Cico gerne in seinem Korb wenn meine eltern im Stall waren u es ihm draussen zu warm war! Ich lief runter und er lag in seinem Korb... bis zur mitte des Bauches mit seiner Decke zugedeckt... Er schlief seinen schönsten Schlaf... Der TA konnte ihn nur noch einschläfern...

Denk pauschal kann man nie sagen was richtig und falsch ist... man ist warscheinlich meist zu egoistisch dem Tier gegenüber....

Grazi
11.09.2005, 19:48
Das ist eine verdammt schwierige Frage und kann sicher nicht pauschal beantwortet werden. Der richtige Zeitpunkt ist individuell ganz unterschiedlich ...und jeder, der sein Tier aufrichtig liebt, es genau beobachtet und sich selber hintenan stellt, sollte merken, wann die Lebensqualität so stark nachlässt und Schmerzen z.B. so stark werden, dass man Schluss machen sollte... so denn keine Chance auf Heilung besteht. Für eine richtige Einschätzung der Situation ist man aber oft auf die Hilfe eines TA angewiesen, auf seine offene und ehrliche Beurteilung der Situation.

Ich bin froh, dass ich bisher immer den richtigen Zeitpunkt erwischt und mir nichts vorzuwerfen habe... und trotzdem wallen manchmal irrationale (?) Gedanken in mir auf, in denen ich mich frage, ob wirklich alles so o.k. war, ob ich mir nie etwas vorgemacht habe, ob wir nicht mehr hätten tun können, ob wir zu schnell aufgegeben haben.

So wie du Amfos letzte Zeit bei euch geschildert hast, denke ich, dass du alles richtig gemacht hast... der kleine Brocken hatte noch eine verdammt schöne Zeit bei euch...und er war zum Schluss nicht alleine. Das war der schönste Freundschaftsdienst, den du ihm leisten konntest.

Liebe Grüße, Gazi

Mein Hund
13.09.2005, 10:27
Wenn du es nicht so gemacht hättest, und er sich weiter gequält hätte,
ich denke dann würdest du dir mehr vorwürfe machen.Es ist immer schwierig
den "richtigen" Zeitpunkt zu finden.
Ich denke du hast es richtig gemacht!!! :lach2:

chakadia2
13.09.2005, 10:47
Danke, für eure lieben Worte....
Irgendwo weiß ich auch, dass es so richtig von mir gewesen ist.
Als wir ihn begraben haben im Garten, hat es sehr geregnet. Als ich dann Blumen auf sein Grab legte, schien plötzlich durch den Regen die Sonne und ganz hinten am Himmel entstand ein regenbogen. Es war so, als ob uns Uwe ein Dankeschön zuschickte, dass wir so lange gut auf seinen Hund aufgepasst haben und er ihn endlich wieder sehen kann.
Man sucht in vielen Dingen dann nach Antworten und Bestätigungen. Eigentlich glaube ich nicht an Dinge wie die Regenbrücke usw. Aber da es keine Beweise gibt , dass nach dem Tod alles vorbei ist, kamen diese Zeichen so unverhofft und so eindeutig. Es war ein schöner Abschied von ihm....

Beate
14.09.2005, 21:00
am glauben fest... oder warum meinst Du hast Du einen Regenbogen gesehen... lass Dir durch ein zeichen sanft zunicken und mit dem Auge zuzwinkern...

Das war wohl mehr als ein Danke! Deutlicher geht es wohl kaum...

Liebe Grüsse :)

D.F.K.
15.09.2005, 22:57
mir laufen gerade so die Tränen übers Gesicht weil mich seit einiger Zeit genau die selben Gedanken quälen. Als wir Frieda im Februar haben gehen lassen war ich mir sicher, das Richtige zu tun obwohl meine Frau es lieber länger rausgezögert hätte. Jetzt mache ich mir auch seit ein paar Wochen diese Gedanken und bereue es irgendwie obwohl mir mein Hirn sagt, dass es so besser war. Das schlimme ist, dass der Schmerz und das Vermissen nicht nachlässt. Im Gegenteil. Deswegen war ich seit ein paar Wochen auch nicht mehr im Forum aber da ich Euch zu einem anderen Thema um Hilfe bitten muß, habe ich wieder reingeschaut und sehe unter anderem auch noch diesen zum fressen süßen Bullmastiff-Mix-Welpen, der noch auf ein neues Zuhause wartet und diesen Eintrag.

Dir kann ich nur sagen, dass Du ganz bestimmt richtig gehandelt hast. Genau so wie Judith und ich. Aber Trauer und Unsicherheit nagen halt doch noch an einem. Genieße Deine Welpen und Hundis und freue Dich an ihnen. Die können glücklich sein, so eine verantwortungsbewußte Hundemama wie Dich zu haben.

Liebe Grüße und hoffentlich bis bald auf einen kleinen Besuch,

Daniel

zantoboy
29.09.2005, 09:37
Auf deine Frage gibt es keine pauschale Antwort. Und oft sind wir Menschen leider ziemlich egoistisch und zögern den Abschied hinaus, in der Hoffnung das es dem Tier doch gar nicht soo schlecht geht oder es ihm bald vielleicht wieder besser geht.

Unser alter Hund (Boxer, 12 Jahre) hatte Krebs am Hals und Kiefer. Er hat immer gerne gefressen und ging keinen Meter ohne unseren Bullmastiff-Nachwuchs. Der Tag des Abschieds kam für uns, als Dino nicht mehr fressen wollte und sich in die letzte Ecke verzog. Bei diesem Anblick brach uns fast das Herz, aber wir haben die Tierärztin angerufen und sie kam zu uns und hat Dino über die Regenbogenbrücke gebracht. Dino starb in meinen Armen, ganz still und friedlich. Und auch noch heute, nach 6 Jahren, könnte ich immer noch weinen, weil ich ihn so vermisse. Er fehlt mir so oft, aber auf einmal sind da 2 feuchte Hundenasen- und sagen mir: wir sind bei dir.

Der Schmerz wird wohl nie vergehen. Ich bin immer noch traurig, dass ich Dino verloren habe und unendlich dankbar für 12 tolle Jahre mit einem absoluten Traumhund.

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